Deutschland: Brisante Details in US-Abgasklage - Druck auf Bosch steigt

Bosch soll VW-Betrugssoftware mitentwickelt haben

In der Vergangenheit hatte der weltgrößte Autozulieferer stets erklärt, die Verantwortung für die Software liege bei VW. Ein Beispiel: In einem Brief habe Bosch 2008 seinen Kunden VW darum gebeten, ihn explizit von etwaigen Haftungsansprüchen bei Verwendung der Software freizustellen - weil die Nutzung laut US-Recht verboten sei. VW habe das abgelehnt und sich bei dem Zulieferer gar noch beschwert, dass dieser „die Anwälte“ einschalten wolle. Bosch habe sogar vertraglich festhalten lassen, dass nur eigene Mitarbeiter die Software verändern durften. "Der Vertrag sah vor, dass Bosch die Kontrolle über die Software behält", schreiben die US-Kläger. Bosch habe in der Lieferantenbeziehung darauf bestanden, die Software weiter zu testen und so zu liefern, dass sie direkt einsetzbar ist. Die Zeitung zitiert aus einer Email zwischen der VW-Tochterfirma IAV und Bosch Österreich.

Der Abgasskandal? Schummeleien von VW, könnte man meinen. Im September 2015 kam der VW-Abgas-Skandal ans Licht.

Was sind die Vorwürfe?

Vor einem Gericht in San Francisco wollen Anwälte im Namen von US-Bürgern, die im VW-Dieselskandal geschädigt wurden, Schadenersatz durchsetzen. Aus ihrer Sicht war Bosch nicht bloß ein Lieferant, der von den mit seinem Produkt begangenen Betrügereien nichts wusste.

Was sind die angeblichen Beweise, worauf sich die US-Kläger stützen? Sie beziehen sich in ihrem 742 Seiten starken Dokument vor allem auf Briefe, E-Mails und Powerpoint-Präsentationen. So habe ein Vertreter des Stuttgarter Konzerns bereits 2008 in einem Brief das englische Wort „Defeat Device“ genutzt, so bezeichnen die US-Aufseher verbotene Programme zur Abgaskontrolle. "Akustikfunktion" sei der Codename der Betrugssoftware gewesen.

"Bei Bosch war Volkswagens schmutziges Geheimnis [.] gut aufgehoben", so die Kläger. Solche Äußerungen hört man heute von Firmensprechern nicht mehr - sie bleiben unter Verweis auf laufende Untersuchungen und Verfahren wortkarg.

Auf Anfrage von trend.at bei Bosch heißt es, dass Bosch den Sachverhalt zur aktuellen Abgasthematik intern kläre: "Wir sind auch in ständigem Kontakt mit den verantwortlichen Behörden".

Was droht Bosch in den USA?

Mittlerweile hat sich VW mit den US-Klägern beim größten Teil der betroffenen Wagen auf einen Vergleich in Höhe von umgerechnet bis zu 15,3 Milliarden Dollar geeinigt. Bosch hat vorsorglich schon Rückstellungen von etwa 750 Millionen Euro in der Bilanz gebildet, die aber nicht nur und nicht offiziell für dieses Verfahren vorgesehen sind. Auf jeden Fall drängt die Zeit, eine Lösung zu finden.

Da der Ausgang und die Folgen eines jahrelangen Rechtsstreites in den USA nicht überschaubar sind, gehen die Kläger und auch Bosch nach SWR-Informationen davon aus, dass man sich auf einen außergerichtlichen Vergleich einigen könne.

Wie ist der Stand der Dinge in Deutschland?

Separat hierzu laufen seit Ende 2015 strafrechtliche Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Dies ist laut Anwälten von geschädigten VW-Kunden aber noch schwierig, auch weil noch wenig bekannt sei über die genauen Verwicklungen von Bosch in die Dieselaffäre.

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