Gratulation aus Mainz und Saarbrücken für SPD-Chef Schulz

Bundeskanzlerin Merkel zeigt sich angesichts des Rummels um SPD-Kanzlerkandidat gelassen

Berlin. Gegen 11.40 Uhr zieht er in den Saal ein. Stattdessen bejubelt sie Martin Schulz wie einen Messias für die Ansage der Demontage dieser Reform, für die Rolle rückwärts. Es erinnert beinahe an eine biblische Szene. In Rockkonzerten gibt es diesen einen Moment, wenn die Stimmung ohnehin schon mächtig aufgeheizt ist, und alle darauf warten, dass die Band endlich ihren großen Knaller spielt.

In seiner Rede sprach Schulz vor allem soziale und arbeitsmarktpolitische Themen an.

Die Junge Union schipperte am Sonntag auf der Spree, nahe der SPD- Veranstaltungshalle. Schulz, der Heilsbringer und Messias - als könnte er übers Wasser laufen. Sie schwenkte ein Plakat mit der Aufschrift: "New York, London, Paris - Würselen".

Die Juso-Vorsitzendende Johanna Uekermann, die mit SPD-Chef Sigmar Gabriel mehrfach über Kreuz gelegen hatte, bekräftigte die Unterstützung für Martin Schulz. Sein freiwilliger Rückzug hatte die Amtsübernahme durch Schulz im Wahljahr erst möglich gemacht. "Der Trend ist wieder ein Genosse und so soll es auch bleiben", sagte Gabriel. "Es dürfte der fröhlichste und optimistischste Übergang sein, den unsere Partei in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat".

Unter Schulz fühle sich die SPD irgendwie anders an, neuer, attraktiver, elektrisierender, findet Michel Honold, Mitglied der SPD.

Laute Musik pumpt durch die umgebaute Industriehalle in Berlin-Treptow, als Martin Schulz und Sigmar Gabriel einziehen. "Das war eine der schwersten Entscheidungen in meinem Leben, aber auch eine der richtigsten", sagt Gabriel.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat dem neuen SPD-Chef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz fehlende inhaltliche Festlegungen vorgeworfen. Ein Triumphmarsch unter tosendem Applaus der Delegierten und Gäste. "Und dann stört mich sehr, dass er das Land eigentlich schlecht redet". Die Partei liegt ihm zu Füßen. Schon bei seinem ersten Auftritt im Willy-Brandt-Haus hämmerte er leise, aber eindringlich seinen Zuhörern die drei Grundgedanken ein: Respekt für die Leistung der ganz normalen, hart arbeitenden Leute, den Kampf für mehr Gerechtigkeit und den Stolz auf die mehr als 150Jahre alte Sozialdemokratie, die schon immer Bollwerk gegen Nationalismus gewesen sei. Die SPD werde sich Zeit nehmen bis zum Programmparteitag Ende Juni, sagte Schulz am Sonntagabend in der ARD.

In den fast siebeneinhalb Jahren, die Gabriel das "tollste Amt, das man in der Politik einnehmen kann", ausgeübt hat, habe die SPD viel erreicht. Es müsse Schluss sein "mit dem Lohngefälle zwischen Mann und Frau", auch zwischen Ost- und Westdeutschland.

Neu in seinem Programm: Er will eine vom Staat finanziell geförderte Familienarbeitszeit einführen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Auf dem Parteitag der Sozialdemokraten habe es zwar "wieder viele schöne Worte über soziale Gerechtigkeit "gegeben, für sie sei "aber klar", dass sich nach den Plänen von Schulz an "Lohndrückerei, Rentenkürzungen und Hartz IV "nicht allzu viel ändern solle". Als Beispiel brachte er zuletzt eine verlängerte Auszahlung des Arbeitslosengelds I ins Spiel, falls Betroffene sich weiterbilden.

Gabriel hatte Ende Januar bekanntgegeben, dass er zugunsten von Schulz auf Vorsitz und Kanzlerkandidatur verzichten wolle. In seiner kämpferischen Bewerbungsrede versprach er den Delegierten mehr Lohngerechtigkeit, gebührenfreie Bildung von der Kita bis zum Studium, aber auch ein hartes Vorgehen gegen Alltagskriminalität. Dies müsse auch für die berufliche Bildung gelten. Es geht vor allem darum, mit welchem Ergebnis die Sozialdemokraten Schulz zum Vorsitzenden wählen und welche inhaltlichen Weichen Schulz für die kommenden sechs Monate bis zur Wahl stellt. Das schade dem Land und den Menschen. "Mit mir wird es keine Herabwürdigung des politischen Wettbewerbers geben". Die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir allerdings erklärten, sie freuten sich sehr darauf, gemeinsam mit Schulz "für ein weltoffenes und solidarisches Deutschland in einem vereinten Europa einzustehen".

Schulz muss liefern, mit einem in sich stimmigen Wahlprogramm.

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