SPD wählt Schulz mit 100 Prozent zum neuen Parteichef

Wahl zum SPD-Chef – Schumacher erhielt 1948 größte Zustimmungsrate | Kann

Schulz thematisierte auch europakritische und demokratiefeindliche Bewegungen. Gabriel hatte die Partei nach der dramatischen Niederlage 2009 übernommen und stabilisiert, was eine große Leistung war. Allerdings spielte bei dieser Wahl auch die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Vorsitzenden Sigmar Gabriel eine wichtige Rolle.

Martin Schulz nähert sich diesem Moment in seiner Bewerbungsrede in der alten Fabrikhalle der "Arena" nach einer Stunde und 16 Minuten. Gabriel, nun Aussenminister, erhielt vor zwei Jahren gerade einmal 74 Prozent der Stimmen. "Ich glaube, dass dieses Ergebnis der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes ist", ruft Schulz. Merkel war im Dezember mit nur 89,5 Prozent als CDU-Vorsitzende wiedergewählt worden.

Vor allem aber hat neue SPD-Chef das Gefühl vieler Menschen angesprochen, die sich nach mehr Gerechtigkeit, nach mehr Würde des Einzelnen und mehr Respekt für ihre täglichen Mühen sehnen. In seiner Rede kündigte er allerdings an, dass die SPD mehr für Familien und für die Bildung tun wolle.

Er bekräftigte den Anspruch der SPD, als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl am 24. September hervorzugehen, äußerte sich aber nicht zu Koalitionsoptionen. "Mit mir wird es keine Herabwürdigung des politischen Wettbewerbers geben". Mit ihm an der Spitze habe die SPD eine Landtagswahl nach der anderen für sich entschieden. Er wird als erster SPD-Chef seit 1945 mit 100 Prozent Zustimmung gewählt. Details verriet Schulz noch nicht.

Kritik, er habe auf dem Parteitag nicht viel Konkretes gesagt, wies Schulz zurück. Es gehe ihm dabei keineswegs um "Vergangenheitsbewältigung", sondern darum, eine Antwort auf den Fachkräftemangel zu finden.

Der Altkanzler werde nicht am Parteitag an diesem Sonntag teilnehmen, weil er im Ausland auf Reisen sei, hieß es am Freitag aus Schröders Büro. Eine sehr klare Absage gab es gegen Steuersenkungspläne der Union. In Aussicht gestellte Steuersenkungen und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags kosteten den Bund 35 Milliarden Euro.

Er wandte sich aber mit scharfen Worten gegen Rechtspopulisten. Sie sei keine Alternative für Deutschland: "Nein, das ist eine Schande für die Bundesrepublik".

- Zu Trump: "Wer die freie Berichterstattung als Lügenpresse bezeichnet, wer selektiv mit den Medien umgeht, legt die Axt an die Wurzeln der Demokratie", sagte Schulz. Er verzichtete zugunsten des bei den Wählern beliebten Schulz auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur. In den Umfragen liegt die SPD gleichauf mit der Union, nach einem Sprung, wie ihn die Demoskopen noch nie gemessen haben.

Gabriel verabschiedete sich von den Delegierten mit Wehmut, aber auch mit Zuversicht. "Die Menschen wollen einen neuen Aufbruch und keine Fortsetzung der großen Koalition", zeigte sich Gabriel überzeugt. "Ich selbst war echt faul in der Schule und hatte nichts als Fußball im Kopf", sagt er.

Zum Abschied erhielt Sigmar Gabriel von seiner Partei einen Stich von August Bebel, dem "Arbeiterkaiser".

Die Grünen haben nach der Wahl von Schulz gemeinsame Werte hervorgehoben.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch forderte Schulz zur Absage an eine große Koalition unter Merkel auf - zumindest für sich persönlich: "Ich fordere Martin Schulz auf, klar zu sagen, dass er nicht in ein Kabinett Merkel geht", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montag).

Wohin steuert der neue Vorsitzende die SPD?

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