ROUNDUP 3: US-Luftschlag in Syrien - Reaktion auf mutmaßlichen Giftgasangriff

Mit rund 60 Tomahawk-Marschflugkörpern hat die US-Armee eine syrische Luftwaffenbasis angegriffen

Der US-Angriff auf einen syrischen Stützpunkt hätte nach Ansicht des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew beinahe zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Moskau geführt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete vier getötete syrische Armeeangehörigen, unter ihnen ein General. "Wir erwarten, dass sich der UNO-Sicherheitsrat seiner Verantwortung entsprechend verhält und die Schuldigen des Giftgasangriffs zur Verantwortung gezogen werden". Mit der Vereinbarung informierten Russland und die USA einander bislang über Militärflüge und Angriffe über Syrien. Ob der Angriff eine Wende in der Syrien-Politik der USA bedeute, könne nur die Regierung in Washington selbst beantworten. Die Marschflugkörper gelten als präzise.

Bildlegende: Das syrische Staatsfernsehen zeigte am Freitag Bilder eines angeblich durch den Angriff beschädigten Hangars. Das Mindeste, was Moskau als Verbündeten Syriens vorzuwerfen sei, sei, dass es den Angriff nicht verhindert habe. Nur wenige Stunden nach dem Beschuss starteten von der syrischen Militärbasis Al-Schairat laut Aktivisten erneut Kampfjets zu Einsätzen in Syrien.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) appellierte an die Vereinten Nationen, dafür zu sorgen, dass es keine militärische Eskalation gebe. Zugleich löste er die erste schwere Krise zwischen der neuen US-Regierung und Russland aus. Die russische Führung hat den US-Angriff als "Angriff gegen einen souveränen Staat" verurteilt.

Merkel und Hollande hatten am Morgen in einem Telefonat die Situation in Syrien nach dem Giftgaseinsatz vom 4. April und der US-Reaktion besprochen.

Nach ihrem Raketenangriff schließen die USA weitere Angriffe gegen die Streitkräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad nicht aus. Auch Treibstofflager seien getroffen worden.

Der Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), sieht im US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt ein Zeichen für einen außenpolitischen Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump. Die Zerstörung von Flugzeugen und Infrastruktur werde die Möglichkeiten dazu einzuschränken. Er verwies auf Zusagen Russlands, chemische Waffen in Syrien zu sichern und zu zerstören.

Die US-Raketen wurden nach den Worten eines Regierungsvertreters von den US-Kriegsschiffen "USS Porter" und "USS Ross" abgefeuert, die im östlichen Mittelmeer stationiert sind.

Trump hatte zudem nach einem wesentlich massiveren Chemiewaffenangriff mit hunderten Toten im August 2013, für den ebenfalls die Regierungstruppen verantwortlich gewesen sein sollen, den damaligen Präsidenten Barack Obama eindringlich vor einer Vergeltungsaktion gegen Assad gewarnt. Die USA hätten vor dem Luftangriff keine Kontakte mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehabt. "Und ich denke, es sollte etwas passieren".

Ebenfalls Support für den US-Alleingang kommt von Israel ("starke und klare Botschaft") und Saudi-Arabien ("mutige Entscheidung").

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagt dem Sender Fox TV, die internationale Gemeinschaft müsse an ihrer Haltung gegenüber der "Barbarei" Assads festhalten. Eine Militäraktion wäre eine "zweifelhafte und tragische Unternehmung", die "negative Konsequenzen" haben könne, sagte der russische UNO-Botschafter Wladimir Safronkow am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York. Auf Verlangen Moskaus trat noch am Freitag der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Noch vergangene Woche hatte US-Außenminister Rex Tillerson gesagt, Assads Schicksal werde vom syrischen Volk bestimmt.

Angela Merkel hat Russland wegen der Blockade einer UN-Sicherheitsratsresolution zum Giftgas-Angriff in Syrien scharf kritisiert.

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