Live-Ticker: Türken geben Präsident Erdogan mehr Macht

Entscheidender Wahltag Die Türkei stimmt am Sonntag über mehr Macht für ihren Präsidenten Recep Tayyip Erdogan

Nach dem Ja der Türken zur Verfassungsreform von Präsident Recep Tayyip Erdogan fordern Spitzenpolitiker von Union, Linke und FDP einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlkommission entfielen 51,3 Prozent der Stimmen auf "Ja", 48,7 Prozent votierten demnach mit "Nein". Niemand hat ein so schlechter Ergebnis für möglich gehalten, Erdoğan soll bis zuletzt auf 60 Prozent der Stimmen gehofft haben.

Die Türken haben am Sonntag von ihrem Recht, ihr politisches System zu zerstören, mit einer denkbar knappen Mehrheit Gebrauch gemacht.

In den großen Städten Istanbul und Ankara lag das Ja-Lager mit rund 53 bzw.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte in Berlin: "Wir sind gut beraten, jetzt kühlen Kopf zu bewahren und besonnen vorzugehen". Oppositionsführer und CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu sagte in Ankara: "Wir stimmen heute über das Schicksal der Türkei ab".

Die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben dem Referendum in der Türkei zahlreiche Mängel attestiert. Insgesamt waren im Ausland rund 2,9 Millionen Wahlberechtigte registriert. Wegen der Absage mehrerer Wahlkampfveranstaltungen in Deutschland aus Sicherheitsgründen hatte Erdogan Deutschland Nazi-Methoden vorgeworfen. In einem Telefonat mit Ministerpräsident Binali Yildirm habe er gesagt, er sei der türkischen Nation dankbar, dass sie an den Wahlurnen ihren Willen erklärt habe. Das werde seine "erste Aufgabe" sein, kündigte Erdogan in Istanbul vor begeisterten Anhängern an.

Statt eines "Merkel-Erdogan-Pakts" müsse es nun ein Bündnis Deutschlands mit den Demokraten in der Türkei geben, sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland befürworteten laut Anadolu 63,2 Prozent der Wähler die Reform, in den Niederlanden 70,2 Prozent und in Frankreich 64,5 Prozent. Die Auszählung der Stimmen beginnt. "Wir sehen, dass wir in manchen Provinzen nicht die erwartete Anzahl an "Ja"-Stimmen bekommen haben", sagte Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak". Selbst wenn Erdogan die Türken mit aller Gewalt zu einem Liebesbeweis nötigt - der allseits verehrte Herrscher, dem das Volk in allem freie Hand geben will, ist Erdogan nicht.

Uhr: Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen im Land führen die Befürworter der Verfassungsänderung knapp mit 52,8 Prozent vor den Gegnern. Unter dem Ausnahmezustand seien außerdem Grundfreiheiten eingeschränkt gewesen, "die für einen demokratischen Prozess wesentlich sind". In den USA beispielsweise stimmten 83,80 Prozent gegen eine Änderung in der türkischen Verfassung.

"Der Anspruch, dass die Bürger sich selbst regieren, wurde seit der türkischen Staatsgründung 1923 zwar nie erfüllt, so wie er auch in den europäischen Republiken, die als Vorbild dienten, nie ganz erfüllt war". Auslandstürken machten etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus. Das sagt der stellvertretende Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei, Bülent Tezcan. Das berichtet der Fernsehsender Habertürk.

Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) griff in einem Tweet in Reaktion auf den Ausgang des Verfassungsreferendums jene auf, die dagegen stimmten: "Erdogan hat den Bruch mit dem europ Grundkonsens von Demokratie u Rechtsstaat gesucht, fast die Hälfte d Türken ist ihm nicht gefolgt.", schriebt er. Der CHP-Abgeordnete Baris Yarkadas sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Das Ergebnis ist noch nicht klar". Schließlich würden die zwei Millionen, die nicht wählen durften, in "Mithaft" für das Ja genommen. Ergebnisse werden noch am Abend erwartet.

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