Erdogan verteidigt Referendum: "Ich könnte jeden Moment sterben"

Wenige Tage nach seinem knappen Sieg beim Referendum in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan die Vorwürfe zurückgewiesen, er steure sein Land in eine Diktatur. Im Gespräch mit der britischen CNN-Journalistin Becky Anderson beteuert Erdogan, das neue Präsidialsystem mache ihn nicht zum Diktator: "Dieses neue System gehört nicht Tayyip Erdogan", so der Präsident. Für seine angestrebte Verfassungsreform stimmten rund 51 Prozent der Wahlberechtigten, die Position des Staatspräsidenten wird dadurch deutlich ausgebaut. Auf die Frage, ob die Verfassungsänderung dem politischen System der Türkei wirklich zugutekomme oder nicht doch ein persönlicher Machtgewinn sei, antwortete Erdogan: "Ich bin auch nur sterblich, ich könnte jeden Moment sterben". Das Referendum bedeute einen "Wandel, eine Transformation in der demokratischen Geschichte der Türkei", sagte er. Mit der geänderten Verfassung kann er künftig per Dekret regieren, den Ausnahmezustand beschliessen, das Parlament auflösen oder Minister entlassen. "Die haben wir", sagte Erdogan dem Sender CNN in einem in der Nacht zu Mittwoch ausgestrahlten Interview. Für eine Diktatur brauche man kein Präsidialsystem. "Wenn Sie sagen, dass die Wahlurne einen Diktator produziert, dann wäre das eine große Grausamkeit und Ungerechtigkeit gegenüber der Person, die gewählt wird". Zusätzlich sei es gegenüber den Wählern "respektlos". "Das nennen wir den Willen der Nation".

"Die Macht der Demokratie stammt vom Volk", so der Präsident. Ein Einwand, dass der Entscheid knapp ausfiel, lässt Erdogan nicht gelten: "Ich hatte ja früher mit Fussball zu tun", erklärt er. "Das oberste Ziel ist, das Spiel zu gewinnen".

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