Hans-Böckler-Stiftung: Kinderarmut in Deutschland steigt

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Aber auch die Familienstruktur spiele eine Rolle, weil Alleinerziehende und ihre Kinder besonders häufig von Armut betroffen sind. Der Anstieg beruht demnach überwiegend auf der Zuwanderung von Minderjährigen, die als Flüchtlinge mit ihren Familien unter der Armutsgrenze leben müssten. Die Kinderarmutsquote stieg im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent, wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab.

Damit lebten laut der Untersuchung mehr als zweieinhalb Millionen Kinder in Haushalten, die als arm oder armutsgefährdert gelten.

Auch das WSI verwendet die Definition, wonach Haushalte arm oder armutsgefährdet sind, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des sogenannten bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens in Deutschland beträgt. Das entspricht einem Anteil von 19,7 Prozent aller Minderjähriger - im Jahr zuvor waren es noch 19,0 Prozent und damit 77.000 Kinder weniger.

Dagegen habe sich das Armutsrisiko von Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden, kaum verändert (2015: 28,9 Prozent), hieß es. Bei Kindern ohne ausländische Wurzeln sei die Quote zuletzt sogar geringfügig von 13,7 auf 13,5 Prozent zurückgegangen.

Man unterscheidet einen absoluten und einen relativen Armutsbegriff. Am stärksten verbreitet ist laut den Berechnungen der Experten Kinderarmut in Bremen mit 34,2 Prozent, in Berlin mit 29,8 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern mit 29 Prozent. "Der Anstieg der Kinderarmut durch die Flüchtlingseinwanderung ist damit an den einheimischen Kindern spurlos vorübergegangen", sagte der Sozialexperte des WSI, Eric Seils. Angesichts des hohen Armutsrisikos eingewanderter Kinder verwies er darauf, kurzfristig komme es vor allem darauf an, dass sie nun in Sicherheit seien. Längerfristig bestehe die Herausforderung darin, "die Eltern von Flüchtlingskindern zu Löhnen und Bedingungen in Arbeit zu bringen, die der gesamten Familie ein Leben über der Armutsgrenze und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen".

Dass Kinderarmut in Deutschland ein großes Problem ist, geht auch aus den Daten des vergangene Woche beschlossenen Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung eindeutig hervor. Die Studienautoren führen das auf die gute Arbeitsmarktentwicklung zurück. Auch in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sanken die Anteile.

Der Grund für die höhere Zahl von armutsgefährdeten Kindern ist die Zuwanderung von Flüchtlingen. Zuletzt ist die Kinderarmut jedoch wieder um 1,4 Prozentpunkte auf durchschnittlich 26 Prozent angestiegen. In Kombination mit einer schwachen Arbeitsmarktentwicklung begünstigte dies den starken Anstieg der Kinderarmut um 3,7 Prozentpunkte.

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