Landtagswahl in Schleswig-Holstein: CDU gewinnt, Schlappe für regierende SPD

Neben einer Großen Koalition sind Dreierbündnisse von CDU oder SPD mit Grünen und FDP denkbar. Oder auf eine Ampel.

Kiel. Der 43-jährige Günther favorisiert ein Bündnis mit FDP und Grünen.

Schleswig-Holstein steht vor einem Regierungswechsel: Bei der Landtagswahl am Sonntag errang die CDU mit Spitzenkandidat Daniel Günther (r.) einen deutlichen Sieg, die SPD des bisherigen Ministerpräsidenten Torsten Albig sackte an der Küste auf das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ab. Eine bittere Niederlage, die in ihrer Deutlichkeit wohl keiner bei der SPD erwartet hatte. 2012 waren es noch gut 30 Prozent gewesen. Hinzu kommt, dass ein Weiterregieren Albigs nicht dem Wählerauftrag entsprechen würde.

Doch CDU-Spitzenkandidat Günther ließ nicht locker. Zweitstärkste Kraft wurde die SPD mit 26,2 bis 26,7 Prozent. Im Land chancenlos, auf der nordfriesischen Hallig Gröde wurden sie aber stärkste Kraft: Die Piraten haben im kleinsten Wahlbezirk Schleswig-Holsteins bei der Landtagswahl am Sonntag die meisten Zweitstimmen erhalten. Er räumte auch Fehler ein und sagte, er trage die Verantwortung das Ergebnis. Er habe "nie einen Hehl daraus gemacht", dass die FDP der "Wunschpartner" der Union sei. "Es gibt immer Risiken in der Politik", antwortete Günther. Die SSW hatte einer Koalition mit CDU oder FDP ausgeschlossen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen, weil alle Umfragen bei den letzten Landtagswahlen immer falsch waren - und zwar frappierend falsch", sagte Albig mit Blick auf die Umfragen.

SPD-Vize Ralf Stegner hat das Abschneiden seiner Partei als enttäuschend bezeichnet. "Wir sind die Wahlverlierer", sagte er.

Freude herrschte dagegen bei den Grünen und der FDP. Das Ergebnis "geht unter die Haut". Seine Partei habe jedoch auf jeden Fall "Grund zum Jubeln", weil es für die anstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen und im Bund wichtig sei, "dass wir jetzt in das zwölfte Länderparlament einziehen werden, dass diese Serie also nicht unterbrochen wurde". Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) wäre mit drei bis 3,5 Prozent weiter im Parlament vertreten, weil für ihn als Partei der dänischen und friesischen Minderheit der Sperrklausel nicht gilt. Die Linke verpasst demnach mit 3,5 bis 3,6 Prozent den Einzug in den Landtag. Auch die Linkspartei zieht erneut nicht in das Landesparlament ein. Folgen solle nun eine "starke Regierung unter Führung der CDU". Bei den Inhalten sei "die Ampel vermutlich im Vorteil zu Jamaika". Laut ZDF-Hochrechnung wäre auch eine alleinige Koalition aus CDU und Grünen knapp möglich, in der ARD-Hochrechnung fehlt dazu ein Sitz. Das liegt an ausgeprägter gegenseitiger Antipathie und schlechter Erfahrung. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft erklärte sich die SPD-Niederlage im Norden mit örtlichen Gegebenheiten und betonte: "Schleswig-Holstein ist nicht Nordrhein-Westfalen".

Über dieses Thema berichtete die ARD in einer Wahlsendung am 07. Mai 2017 um 17:45 Uhr.

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