Wahlen - Macron will Frankreichs Spaltung überwinden

Der neugewählte Präsident Frankreichs Emmanuel Macron feiert mit Tausenden seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen und verspricht auch Le-Pen-Wähler von seiner Politik überzeugen zu wollen

Denn die Front-National-Anführerin Le Pen wollte Frankreich aus dem Euro führen und die Franzosen über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Da waren die Auszählungen der ersten Wahlbüros beendet worden und es zeichnete sich bereits ab, was sich wenige Minuten später bestätigen sollte: Die Franzosen haben den linksliberalen Ex-Wirtschaftsminister, der mit seinem jugendlichen Charme an den früheren US-Präsidenten John F. Kennedy erinnert, mit deutlichem Vorsprung zum jüngsten Präsidenten der V. Republik gekürt.

Doch eine erfolgreiche Präsidentschaft Macron ist das wirkungsvollste und vielleicht einzige Mittel, um Marine Le Pen in fünf Jahren zu verhindern. Die Abstimmung galt als Schicksalswahl, da Le Pen für einen Austritt aus der EU und der Gemeinschaftswährung Euro geworben hatte. "Die Schweiz und Europa können aufatmen, alles bleibt stabil und berechenbar".

"Ein neues Kapitel unserer langen Geschichte beginnt heute Abend", sagte er weiter einer Ansprache, die live im Fernsehen übertragen wurde. Es werde eine neue Seite aufgeschlagen, "die der Hoffnung und des wiedergefundenen Vertrauens", sagte er der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Gute Wünsche bekam Macron nahezu unmittelbar auch aus Übersee. "Er muss harte Wirtschaftsreformen anstoßen und einen Mentalitätswandel herbeiführen, aber auch über 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler mitnehmen, die in der ersten Wahlrunde für links- oder rechtsextreme Kandidaten gestimmt haben und alle die, die sich enthalten haben".

Macron, der mit seiner neuen Bewegung "En Marche!"

Kanzlerin Angela Merkel sicherte Macron in einem Telefonat eine enge Zusammenarbeit zu.

Emmanuel Macron gibt neben seiner Frau Brigitte im nordfranzösischen Le Touquet seine Stimme ab.

Die Beteiligung an der Präsidentschaftswahl lag Schätzungen zufolge bei etwa 74 Prozent. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten 77,8 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Zudem stimmten über vier Millionen Wähler - fast neun Prozent - ungültig beziehungsweise weiß.

Europas Hoffnungsträger Emmanuel Macron hat die Präsidentenwahl in Frankreich gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen gewonnen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb per Twitter, die Franzosen hätten sich für eine europäische Zukunft entschieden und für ein "stärkeres und gerechteres Europa". Am Ende holte er 17,8 Prozent und Chirac triumphierte mit 82,2 Prozent, weil auch die Linken für ihn stimmten, um Le Pen zu verhindern. Der europafreundliche, parteilose Sieger Emmanuel Macron habe "viel geleistet". Ihr Abschneiden mit rund 35 Prozent sei historisch, ihre Partei sei nun die wichtigste Oppositionskraft in Frankreich, sagte sie mit Blick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen. Mit seiner Kandidatur jenseits der klassischen Parteien hat er die politische Landschaft in Frankreich umgepflügt. Am Sonntag, 14. Mai, läuft die Amtszeit François Hollandes ab, spätestens dann muss er das Amt übergeben. Der Politik-Jungstar hatte seine Bewegung "En Marche!" Dabei will er auch auf Verordnungen zurückgreifen, denn eine Parlamentsmehrheit bei der Wahl im Juni ist alles andere als sicher. Auch die Gegner Macrons hatten mit Social Bots und Fake News operiert - nicht nur der rechtsradikale Front National, sondern auch das Team der "Les Républicains" um François Fillon, mit der Anti-Macron-Webseite "Ridicule.TV".

Auch wenn Le Pen nicht in den Élyséepalast einzieht, hat sie das politische Gefüge in Frankreich maßgeblich auf den Kopf gestellt.

Nach der "Schlammschlacht" des Wahlkampfs habe es Macron nun in der Hand, Frankreich zu versöhnen. Tausende Dokumente seiner Mitarbeiter tauchten im Internet auf. "Die Premierministerin beglückwünscht den gewählten Präsidenten Macron zu seinem Wahlsieg". Wer hinter dem Cyberangriff steckt, blieb zunächst unklar. Westliche IT-Experten sehen eine Hackergruppe mit Beziehungen zu russischen Geheimdiensten hinter den Attacken; Russland wies jede Schuld von sich.

Schließlich könnte die FN auch im Parlament eine größere Rolle übernehmen, wo sie wegen des Mehrheitswahlrechtes bisher kaum sichtbar ist. Frankreich wird seit Anfang 2015 von einer beispiellosen Serie islamistischer Anschläge erschüttert. Hollande will einen Kranz an der Statue von Charles de Gaulle an der Pariser Prachtstrasse Champs-Elysées niederlegen, danach ist eine Zeremonie am Triumphbogen geplant.

Related:

Comments

Latest news

Menschen in Hannover evakuiert: Drei Weltkriegsbomben entschärft
Stattdessen nutzten die Betroffenen das von der Stadt angebotene Freizeitprogramm und besuchten Museen, Kinos oder den Zoo. Das spanische Onlineportal Libertad Digital schreibt, dass 13 Verdachtspunkte auf Weltkriegsbomben gefunden wurden.

Belgische Medien: Macron liegt bei Frankreich-Wahl vorn
In der Stadt hatte sie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen 46,5 Prozent der Stimmen erhalten, landesweit waren es nur 21,3 Prozent. Die Bewerber der traditionellen Regierungsparteien - Konservative und Sozialisten - waren schon im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Frankreich-Wahl Macron muss jetzt liefern
Der Ausgang der Wahl ist nicht nur wegweisend für die französische Politik der kommenden Jahre. Der scheidende Amtsinhaber François Hollande gratulierte Macron und wünschte ihm viel Erfolg.

Hannover rüstet sich für große Evakuierungsaktion
Polizisten klingeln an den Türen, einzelne müssen aufgebrochen werden, weil sich Unbelehrbare den Evakuierungsplänen widersetzen. Hannover laufen die Vorbereitungen für eine der größten Evakuierungsaktionen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nintendo Classic Mini
Die große Beliebtheit der Konsole verdeutlicht, dass Menschen auch heutzutage noch Spaß an Retrospielen haben. Hoffentlich kommt bald auch eine neue SNES und andere Konsolen wie die N64 oder die PlayStation 1 wieder auf den Markt.

Other news