Le Pen oder Macron? Finale der Präsidentenwahl beginnt

Emmanuel Macron und Marine Le Pen

Viele Franzosen würden heute wohl am liebsten zu Hause bleiben. Er sagte: "Wir müssen sofort damit beginnen, die Europäische Union zu verändern".

Paris. Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich eine niedrige Beteiligung abgezeichnet.

Die Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein: Le Pen will Frankreich aus der EU führen und strebt ein Referendum über einen Euro-Austritt an.

Wahlergebnisse früherer französischer Präsidentenwahlen, Frz. Macron konterte, Le Pen verunglimpfe Menschen wegen ihrer Religion und ihrer Herkunft. Allerdings lag die Beteiligung nur geringfügig unter der des ersten Wahlgangs vor zwei Wochen, den Macron gewonnen hatte.

Le Pen setzte bisher auf eine "Entteufelung" des rechtsextremen Front National, um ihn für breite Schichten wählbar zu machen. Gabriel hatte bereits am Sonntag einen deutsch-französischen Investitionsfonds vorgeschlagen. Das System war lange sehr stabil - angesichts der sich ändernden Zeiten aber vielleicht etwas zu stabil.

Die Wahlempfehlungen können über eines nicht hinwegtäuschen: Anders als 2002, als Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen überraschend in die Stichwahl einzog, gibt es dieses Jahr keine geschlossene "republikanische Front" gegen die FN.

Anschliessend sollten Französisch-Guyana und die Antillen folgen.

Greenpeace-Aktivisten brachten in Paris ein Banner gegen Le Pen am Eiffelturm an. Mit zum Teil offen rassistischen Parolen verspricht sie, das Land gegen Einwanderer abzuschotten. Der frühere Wirtschaftsminister Macron geht laut Umfragen als klarer Favorit in das Finale.

Vor der Stichwahl am Sonntag überzogen sich beide mit Vorwürfen, den Franzosen weder in der Wirtschafts- noch in der Sicherheitspolitik Lösungen anzubieten. Wortreich ging er auf Le Pens Angriffe ein, anstatt gelassen über ihren pauschalen Anschuldigungen zu stehen. Alles sieht daher danach aus, als bräuchte die Rechtsaußen-Kandidatin ein Wunder, um doch noch eine Chance zu haben.

Umfragen zufolge konnte Macron seinen Vorsprung vor Le Pen zuletzt ausweiten. Im linken politischen Spektrum gilt er vielen weiterhin als Marionette der Finanzelite.

Macron war von 2014 bis 2016 Wirtschaftsminister unter dem amtierenden sozialistischen Staatschef François Hollande, der nicht wieder antritt.

Macron ist sich der Gefahr einer Überraschung bewusst. "Er hat sich für liberale Werte eingesetzt", sagte Obama in einer Videobotschaft. Gemeint war das Risiko bei geringer Wahlbeteiligung. Mindestens 15 Prozent der rund 47 Millionen Wahlberechtigten sind noch unentschlossen. Wer sich hier gut verkauft, kann die entscheidenden Stimmen holen. Macron war zu einem eher gewöhnlichen Wahlkampfauftritt angereist.

Für den Fall, dass sie Präsidentin wird und ihre Partei bei der Parlamentswahl im Juni nicht die Mehrheit erringt, hat Le Pen offenbar schon vorgesorgt. Le Pen hatte Macron in der Debatte eine ungute Nähe zur Bundeskanzlerin vorgehalten, ohne deren "Segen" er keine Pläne umzusetzen im Stande sei. Das heißt allerdings nicht, dass das Regieren für ihn einfach werden würde. Hinter Macron steht seine erst vor gut einem Jahr gegründete Bewegung "En Marche!", die er "weder rechts noch links" positioniert. Die französischen Meinungsforschungsinstitute arbeiten zudem recht verlässlich. In Frankreich gilt nach einer Serie schwerer Anschläge mitüber 230 Toten noch immer der Ausnahmezustand.

Wegen der Anschlagsgefahr werden wie auch bei der ersten Wahlrunde landesweit mehr als 50.000 Polizisten und tausende Soldaten im Einsatz sein, außerdem Gemeindepolizisten und private Sicherheitsleute. Am Samstag können dann schon die ersten Franzosen ihre Stimme abgeben: In manchen französischen Überseegebieten wird wegen der Zeitverschiebung schon einen Tag früher gewählt.

Die Öffnungszeiten der Wahllokale sind bei der Stichwahl die gleichen wie im ersten Wahlgang: Die ersten Wahllokale machen um 8 Uhr morgens auf, die letzten schließen gegen 20 Uhr.

Related:

Comments

Latest news

Froome im Training von Auto angefahren
Noch nicht einmal drei Wochen ist es her, seit der Italiener Michele Scarponi auf einer Trainingsfahrt tödlich verunglückt ist. Der Fahrer des Fahrzeugs, das offensichtlich von hinten auf Froome auffuhr, flüchtete.

Prognosen: Linkspolitiker Moon gewinnt Präsidentenwahl in Südkorea
Die Botschaft der Wähler in Südkorea ist klar: Sie wollen einen Neuanfang - und Moon Jae In soll ihn umsetzen. Nach neun Jahren Regierung unter konservativen Regierungen erlebt Südkorea damit wieder einen Linksrutsch.

Hannelore Kraft schließt Koalition mit Linken aus
Eine rot-rot-grüne Koalition steht für NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im Falle eines Sieges nicht zur Debatte. Kraft setzt jetzt dagegen: "Damit es jeder weiß: Für ein rot-rot-grünes Bündnis stehe ich nicht zur Verfügung".

DJ Robert Miles stirbt mit nur 47 Jahren
Laut einem italienischen Musikmagazin soll Miles nach einer starken Erkrankung am gestrigen Dienstag gestorben sein. Robert Miles stand mit "Children" (1995) in zwölf Ländern auf der Nummer eins, auch in Deutschland.

Vor Kongress in Bahrain: Fifa setzt Spitze der Ethikkommission ab
Außerdem gestand Guams Verbandschef Richard Lai vor einem New Yorker Gericht, Schmiergelder angenommen zu haben. Die letzten zwei Teilnehmer werden bei einem Play-off-Turnier ermittelt, das im WM-Gastgeberland stattfindet.

Other news