"Absolut lächerlich" — Abgesetzte FIFA-Ethiker

"Das wirft den Reformprozess um Jahre zurück, die Fifa wird darunter leiden", sagte Borbely im 13. Stock eines Hotels in Bahrains Hauptstadt: "Der Ethik-Code ist nun ein wertloses Stück Papier". Die Ethikkommission hatte vergangenes Jahr auch gegen den aktuellen FIFA-Chef Gianni Infantino ermittelt, die Untersuchungen aber nach mehreren Wochen eingestellt, weil der Schweizer nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen habe. Damit können sie vom Kongress nicht erneut gewählt werden. Und er tut das mit so viel Machtbewusstsein, dass er die Reformen torpediert, die die Fifa in den letzten Jahren eingeführt hat.

Sowohl Borberly als auch Eckert waren von Beobachtern für ihre Ermittlungen gegen Funktionäre des Weltverbands gelobt worden. Seit 2015 habe die Untersuchungskammer 194 Voruntersuchungen durchgeführt und die rechtsprechende Kammer über siebzig Funktionäre verurteilt.

Der ermittelnden Kammer soll künftig der Grieche Vassilios Skouris vorsitzen, Stellvertreter - unter der Voraussetzung eines bestandenen Integritätschecks - Fiti Sunia aus Amerikanisch-Samoa werden. "Ich habe eindringlich darauf hingewiesen, dass es eine sehr schwierige Entscheidung ist, da nach meiner Einschätzung die Arbeit von Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely durchaus geschätzt worden ist", sagte Grindel. Die beiden wollten ihre Posten für vier weitere Jahre behalten und wurden noch in der Kongresswoche in Manama erwartet.

Am Donnerstag auf einer Pressekonferenz äußerten die bei einer Sitzung des FIFA-Councils am Dienstag abgesetzte Spitze der FIFA-Ethikkomission, namentlich Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely, Bedenken über den Schritt der FIFA, denn es seien noch "mehrere hundert Fälle offen". Die interne Aufarbeitung des Skandals um die WM 2006 hatte den Deutschen Fußball-Bund über fünf Millionen Euro gekostet. "Ich bin nicht sicher, wie lange es dauern wird, bis jemand anders mit diesen Fällen umgehen wird", sagte Eckert. "Die erfahrensten Verfolger und Richter sind weg", sagte auch Borbely. Den Vorwurf, die Ethikkommission habe zu viel gekostet, wiesen beide vehement zurück. "Wir haben viel Know-how aufgebaut, wie man diese Fälle verfolgen muss".

"Es ist nicht so, als hätten wir sie mit nicht-unabhängigen Leuten ersetzt", sagte FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani aus Kanada bei BBC Radio 5 und kritisierte Eckert sowie Borbely. Die beiden Abgesetzten warnen, die FIFA setze ihre Zukunft aufs Spiel.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte schon während der Council-Sitzung für den Verbleib von Eckert und Borbely plädiert. Beide müssen noch beim Kongress der 211 FIFA-Mitgliedsländer bestätigt werden, dies gilt als Formsache.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Mai 2017 um 22:52 Uhr.

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