Literaturkritiker Joachim Kaiser ist gestorben

Todesfall Joachim Kaiser stirbt im Alter von 88 Jahren

Er war überzeugt: "Nur wer liebt, darf kritisieren". "Nur wenige Journalisten haben es geschafft, nicht nur ihre Zeitung sondern gleich ihr ganzes Land so zu prägen wie Joachim Kaiser", heißt es im Nachruf der "SZ". Der langjährige Feuilleton-Chef der "Süddeutschen Zeitung" zählte neben Marcel Reich-Ranicki zeitweise zu den einflussreichsten Feuilletonisten in Deutschland. Wie die Münchner Tageszeitung meldet, ist der bekannte Feuilletonist Joachim Kaiser (1928 - 2017) im Alter von 88 Jahren verstorben. Gestern ist mit dem 88-jährigen Kaiser ein Musik- und Literaturkritiker gestorben, der sich nicht nur als "Vermittler der schönen Künste" verstand, sondern als jemand, dem Kritiken "eine eigene künstlerische Anstrengung" waren.

"Die Kunst kann den Horizont erweitern und auch sensibel machen". Für Kaiser war die Kunst zentral: Vor allem auch, um den "Akku unserer Seele" wieder aufzuladen, den so viele Menschen seiner Meinung nach im Alltag schnell vernachlässigten und Kultur leichtsinnigerweise als "Luxus" betrachteten.

"Speere werfen und die Götter ehren" war sein von Schiller und dem Kritiker-Vorbild Alfred Kerr (1867-1948) entlehntes Berufsmotto. Er erlebte einen Kosmos der bundesrepublikanischen Zeit- und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wozu auch Begegnungen mit Autoren und Künstlern wie Leonard Bernstein, Günter Grass, Max Frisch und Artur Rubinstein gehörten.

1959 kam Kaiser in die Kulturredaktion der "SZ" und leitete später bis 1977 das Feuilleton, danach lehrte er in Teilzeit als Professor an der Hochschule für Musik und darstellende Künste in Stuttgart. Seine journalistische Laufbahn begann 1951, er schrieb für die angesehenen "Frankfurter Hefte", für die Literaturredaktion des Hessischen Rundfunks und studierte bei Theodor Adorno an der Frankfurter Universität. Von seinen frühen Nachkriegserlebnissen und Aktivitäten in der legendären "Gruppe 47" ganz zu schweigen.

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