VW legt keinen Untersuchungsbericht zum Diesel-Skandal vor

VW-Aktionär

Unter dem Eindruck der Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals haben die Aktionäre des Volkswagen-Konzerns Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung entlastet. Die Münchner Staatsanwaltschaft durchsuchte im Zusammenhang jüngst nicht nur Standorte bei der VW-Tochter Audi, sondern auch die US-Kanzlei Jones Day. Bei Aktionären stieß das auf deutliche Kritik. Anderthalb Jahre nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen habe der Konzern bei der Bewältigung der Folgen zwar große Fortschritte gemacht, sagte Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes EOS am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Hannover. Wesentliche Erkenntnisse von Jones Day seien in ein sogenanntes "Statement of Facts" eingeflossen, eine frei verfügbare Faktensammlung, die Teil des Vergleichs mit dem US-Justizministeriums sei.

Volkswagen informierte daraufhin die Börse am 22. September 2015, dass weltweit bis zu elf Millionen Dieselautos betroffen seien und kassierte die Gewinnziele. Unter dem Strich blieben 3,4 Milliarden Euro Gewinn in der Kasse, ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 10,3 Prozent auf 56,2 Mrd.

Der Aufklärungswille von VW geht vielen Aktionären damit aber nicht weit genug. "Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen", meinte Thomae. Der Verweis auf das Statement of Facts sei inhaltlich unzureichend und nahezu beleidigend, sagte der Experte für ordnungsgemäße Unternehmensführung, Christian Strenger. Er verteidigte das Vorgehen des Unternehmens mit rechtlichen Risiken. Das Unternehmen stehe in der Verpflichtung, sich "nicht in Widerspruch zu den im 'Statement of Facts' angegebenen Fakten" zu äußern.

An seiner Elektro-Strategie will der VW-Konzern allerdings auch festhalten.

Laut Müller würden moderne Verbrennungsmotoren auf absehbare Zeit trotz allem unverzichtbar bleiben. Insgesamt seien es bislang 4,7 Mio. In Deutschland sei die Umrüstung bereits bei mehr als 1,7 Millionen Fahrzeugen erfolgt. Autos. Weltweit sind rund 11 Mio.

Mit weiteren Informationen dürfte VW zurückhaltend sein - auch mit Blick auf Ermittlungen von Staatsanwälten in Braunschweig und München sowie die kommenden Gerichtsprozesse mit klagenden Anlegern. Demnach sollen Benzin- und Dieselmotoren in den kommenden fünf Jahren zehn bis 15 Prozent sauberer und effizienter werden.

Volkswagen will den Abschlussbericht zum Diesel-Skandal nicht veröffentlichen.

Vor der Halle forderten Demonstranten sofortige Aufklärung, die Verantwortlichen für den Skandal müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Aufsichtsratschef Pötsch betonte, Volkswagen habe aus der Diesel-Krise gelernt: Aufsichtsrat und Vorstand wollten die Aufklärungsarbeit "entschlossen vorantreiben".

Unter Druck: Gegen den VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (l.) und gegen den VW-Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

Die BaFin sprach vom Verdacht der "informationsgestützten Marktmanipulation in Porsche-Aktien". Es geht um seine Tätigkeit bei der VW-Dachgesellschaft Porsche SE, bei der er seit 2010 im Vorstand ist.

Pötsch führte aus, die Anwälte von Jones Day hätten im Rahmen ihrer Ermittlungen über 600 Interviews geführt, über 100 Millionen Dokumente habe der Konzern in einem Datenraum zur Verfügung gestellt. Der Klassiker stand am Mittwoch im Zentrum der Speisekarte: 2900 Currywürste aus der eigenen Metzgerei habe der Konzern für die Anteilseigner im Angebot, sagte ein VW-Sprecher in Hannover.

Die Konzernspitze wies Kritik an der Aufklärung des millionenfachen Abgas-Betrugs zurück und machte erneut klar, dass die Ermittlungsergebnisse nicht veröffentlicht werden sollen. Und auch Getränke sind da, nämlich 5600 Liter Kaltgetränke und 3400 Liter Kaffee.

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