VW verweigert ausführlichen Bericht zur Diesel-Affäre

VW lädt seine Anteilseigner zum jährlichen Aktionärstreffen nach Hannover ein

Hannover. Geht Volkswagen offen mit Ermittlungsergebnissen zur Diesel-Affäre um? Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch versprach die weitere Aufklärung des Vorfalls.

Der Diesel-Skandal könnte für ranghohe VW-Manager strafrechtliche Folgen haben. Das könnte schwierig werden. Auch gegen Pötsch und den früheren Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn werde ermittelt.

Der Verdacht: Marktmanipulation im Abgas-Skandal. Es geht um seine Tätigkeit bei der VW-Dachgesellschaft Porsche SE, bei der er seit 2010 im Vorstand ist.

Hannover - Vor gut eineinhalb Jahren flogen die Diesel-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns auf.

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre bemängelt indes den Umgang des Konzerns mit "Diesel-Gate": "Der Abgasskandal ist noch lange nicht ausgestanden, denn jeden Tag kommen von VW Hunderte fabrikneue Euro-6-Diesel auf unsere Straßen, die ihre gesetzlichen Stickoxidgrenzwerte nur im Labor einhalten", kritisiert Sprecher Jens Hilgenberg.

Ob in Stuttgart gegen alle vier Porsche-Manager ermittelt wird, wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen. "Einen richtigen Schlusspunkt wird es so schnell nicht geben können", sagt er im März der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Blick auf die internen Ermittlungen.

Die beiden großen Aktionärsvereinigungen SdK und DSW haben dagegen angekündigt, in diesem Jahr für eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen. Danach brach der Börsenkurs ein. Nach US-Recht gebe es sehr wohl die Möglichkeit, weitere Details zur Abgas-Affäre zu veröffentlichen - sofern dies mit Zustimmung der dortigen Behörden geschehe, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger, der früher Mitglied der Regierungskommission zur Festlegung von Grundsätzen guter Unternehmensführung (Corporate Governance) war. Volkswagen hat für die Kosten des Dieselskandals insgesamt bereits 22,6 Milliarden Euro verbucht. Die US-Umweltbehörden hatten den Abgasbetrug nach monatelangen Verhandlungen mit Volkswagen am 18. September 2015 öffentlich gemacht und damals eine mögliche Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar beziffert.

Zu Beginn des Jahres war von Volkswagen gemeinsam mit dem US-Justizministerium eine Faktensammlung ("statement of facts") im Rahmen des strafrechtlichen Vergleichs veröffentlicht worden. "Um es klar zu sagen: Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und wird es nie geben", bekräftigte er seine Haltung vor den Aktionären. "Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen", sagte Andreas Thomae, Fondsmanager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Invest. Pötsch warnt vor den rechtlichen Risiken. Das Unternehmen stehe in der Verpflichtung, sich "nicht in Widerspruch zu den im 'Statement of Facts' angegebenen Fakten" zu äußern. VW-Konzernchef Matthias Müller wurde mit 99,05 Prozent der abgegebenen Stimmen der Vertrauensbeweis gewährt, wie die Abstimmung am späten Mittwochabend ergab. "Alles andere wäre für Volkswagen unvertretbar riskant", sagte Pötsch.

Unter dem Eindruck der Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals haben die Aktionäre des Volkswagen-Konzerns Vorstand und Aufsichtsrat entlastet.

Inzwischen hat Europas größter Autobauer deutlich Fahrt aufgenommen: Im ersten Quartal verdiente der Konzern vor allem dank starker Geschäfte in Westeuropa deutlich mehr, unter dem Strich blieben VW 3,4 Milliarden Euro Gewinn - ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro. Weltweit waren elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

Mit der Neuordnung wird nun eine Höchstgrenze von zehn Millionen Euro für den Konzernchef und 5,5 Millionen für die anderen Vorstände eingezogen, was auf der Hauptversammlung durchweg begrüßt wurde.

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