Volker Schlöndorff auf den Spuren von Max Frisch

Volker Schlöndorff auf den Spuren von Max Frisch

Und er denkt darin über seine Bücher und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit nach, über Projektionen und Überblendungen. Man darf. Jedenfalls dann, wenn sich dieser Autor inner- oder außerhalb literarischer Texte explizit seiner Schürzenjägerei rühmt. Und gerade so wie jener ehrgeizige Schriftsteller, der Brecht in einer berühmt gewordenen Wendung attestierte, "ein Klassiker von durchschlagender Wirkungslosigkeit" zu sein. Der Verschleiß an Gespielinnen flößte ihm, dem Nachgeborenen mit Überbietungsfuror, vielmehr verhohlene Bewunderung ein. Es geht also um einen Mann zwischen zwei Frauen.

Kann eine alte Liebe die Zukunft bedeuten? Die Rahmenhandlung der als autobiografisch ausgewiesenen Erzählung - der Protagonist trägt den Vornamen seines Erfinders - beschreibt ein Wochenende im Mai 1974. Der sonst so präsente Stellan Skarsgård steht dem Schriftsteller eher fremd gegenüber, er bleibt eine Kunstfigur, wie andere um ihn herum auch. Schlöndorff erinnert daran, dass es damals Max Frisch war, der diesen magischen Ort selbst vielen Amerikanern erst nahegebracht hätte: "Vorher hat kein Mensch auf diesen Leuchtturm in Long Island geachtet, in den USA war Montauk überhaupt kein Begriff". Nicht von ungefähr hatte der literarische Rivale Friedrich Dürrenmatt Frisch vorgeworfen, Frauen nur zu brauchen, "um sie darzustellen und somit auszubeuten". Schlöndorff ist inzwischen 77 Jahre alt. Volker Schlöndorff ist 78 Jahre, und er hat seiner Werkgeschichte viele Literaturverfilmungen eingespeist - von "Der junge Törless" (1966) über "Die Blechtrommel" (1979) bis "Homo Faber" (1991).

Colm Tóibín, der Romancier und Co-Autor von Volker Schlöndorffs neuem Film "Rückkehr nach Montauk", schrieb seinen Bestseller "Brooklyn", nachdem er eine Zeit lang in Texas und dort ziemlich einsam gewesen war. Dass Schlöndorff am Ende die Verklärungsmuster einer verspäteten Midlife-Crisis entlarvt, macht "Rückkehr nach Montauk" zwar nicht zu einem Meister-, aber immerhin zu einem würdigen Alterswerk, dem kritische Selbstreflexion wichtiger ist als nostalgische Larmoyanz. Wie er es erzählt, mit starrem Blick auf Frischs libidinöse Vita, erweist er dem reduzierten Dichter, dessen Andenken der Film gewidmet ist, einen gefühlig verbrämten Bärendienst. Kein zufälliger Name, denn Regisseur Volker Schlöndorff hat sich für seinen Film einerseits von der Erzählung "Montauk" von Max Frisch aus dem Jahr 1975 inspirieren, andererseits aber auch eigene Erfahrungen mit einfließen lassen, wie Schlöndorff eingesteht: "Ich habe ja selbst sieben Jahre in New York gelebt und dort eine große Liebe gefunden, über deren Verlust ich nie so ganz hinweggekommen bin, aber das Leben geht weiter". Schlöndorffs persönlichster Film wirkt nach.

Nur zwei Sachen seien im Leben von wirklicher Bedeutung, erklärt der Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) bei einer Lesung in New York seinem kleinen Kreis von Zuhörern.

Während man gern noch etwas länger diesen melancholischen Weisheiten lauschen und ins erfahrungssatte Gesicht von Skarsgård schauen würde, fährt die Kamera aus der Nahaufnahme zurück. Zwischen den Zeilen haben Schlöndorff und Tóibín dem Plot weitere Verwirrungen des Herzens eingeschrieben.

Und so ist sein Held, der an der Liebe leidet und das zugleich mit chauvinistischen Zügen zu kaschieren sucht, der fiktive Schweizer Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård), der auf Lesereise in der Stadt ist und im Trubel seine einstige Geliebte Rebecca (Nina Hoss) wiedertrifft, mit der er ein paar unbeschwerte Momente in Montauk auf Long Island durchlebt, ganz "wie früher". "Dabei begegnet er Menschen aus seiner Vergangenheit und Gegenwart, und es ergibt innerhalb einer Woche oder eines Wochenendes eine im Grunde einfache Geschichte - ohne Aussage, wie bei Max Frisch". Sein Film sei "weder eine Verfilmung des Buches von Frisch noch eine Reisebeschreibung", hat Schlöndorff bemerkt.

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