Amtseinführung im Élyséepalast: Macron will "demokratischeres Europa"

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron steht in Paris

"Wir brauchen ein effizienteres, demokratischeres, politisches Europa", forderte Macron in seiner Antrittsrede. "Daran werde ich arbeiten".

Er kommt als politischer Erneuerer, zuerst aber muss er sich in die nationale Tradition fügen: Der neue französische Präsident Emmanuel Macron hat am Sonntag Einzug in den Elysée-Palast gehalten.

Europa Macron strebt an, die Eurozone in einer engen Partnerschaft mit Deutschland zu reformieren. (Bild: Yoan Valat / Keystone) Hollande teilt traditionsgemäss vor der Amtsübergabe noch einige Staatsgeheimnisse mit dem neuen Staatsoberhaupt Macron. Macron ist der bisher jüngste Präsident des Landes - und er hat sehr ehrgeizige Reformpläne. Hier fährt Macron über die Prachtstraße Champs-Élysées zum Grab des Unbekannten Soldaten.

Macrons sozialistischer Amtsvorgänger Hollande, der wegen miserabler Umfragewerte nicht wieder angetreten war, hatte seinen Nachfolger am Sonntag erst hinter verschlossenen Türen zum Gespräch im Elysee-Palast gebeten. Erstmals seit Jahrzehnten kommt der Staatschef zudem nicht aus den Reihen der Sozialisten oder der Konservativen.

Fotografen nehmen im Elyseepalast im Vorfeld der Amtseinführung des neuen französischen Präsidenten Macron ihre Position ein. Um 10 Uhr traf der gewählte Präsident im Hof des Palasts ein, um mit einem betont feierlichen Schritt auf dem roten Teppich die 60 Meter zur der Treppe zurückzulegen, auf der ihn sein zukünftiger Amtsvorgänger erwartete. Auch Macrons glückloser Vorgänger, der Sozialist François Hollande, hätte ein solches Programm sicher gebrauchen können. Dann seinen Regierungschef ernannt - und danach ein Antrittsbesuch bei Angela Merkel in Berlin.

Macron hatte sich in der Stichwahl um das Präsidentenamt klar gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchgesetzt. Denn in Frankreich wird ihm schon jetzt von rechts bis links aussen vorgeworfen, er kusche vor dem deutschen "Austeritätskurs".

Hollande verließ den Élysée-Palast unter dem Applaus seiner Mitarbeiter und nach einer herzlichen Verabschiedung durch seinen früheren Wirtschaftsminister, der ihm nun im Élysée folgt.

Mit Pariser Prunk und Symbolen militärischer Stärke tritt Emmanuel Macron sein Amt an. Damit übernahm er auch das Oberkommando über die französische Armee und die Atombomben des Landes.

Zu der traditionellen Zeremonie gehören auch 21 Kanonenschüsse. Im Einsatz sind rund 1500 Polizisten.

Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik Der Ex-Wirtschaftsminister will das Land wettbewerbsfähiger machen, das Arbeitsrecht lockern, 120 000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen und in fünf Jahren 60 Milliarden Euro einsparen. Er wolle den Franzosen "Selbstvertrauen" und die "Lust auf die Zukunft" wiedergeben. Die Welt und Europa bräuchten ein starkes Frankreich. Die Personalie ist eine Richtungsentscheidung auch mit Blick auf die französischen Parlamentswahlen im Juni. Die Partei ging erst kürzlich aus Macrons Wahlbewegung "En Marche" hervor. Sollte der 39-Jährige in der Nationalversammlung keine Mehrheit bekommen, würde das seinen Handlungsspielraum stark einschränken. Und schon die ersten Worte, die Emmanuel Macron an die sich unter den Barockengeln, Stuckaturen und Kronleuchtern des Elysée drängenden Ehrengäste richtet, lassen ihn als vollendeten "monsieur le président" erscheinen: Er sei sich der Bürde der Verantwortung bewusst, die er übernommen habe, sagt er.

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