Internet: Experten befürchten neue Angriffe nach Stopp der Cyber-Attacke

Cyber-Attacke

Wien. Nach der Cyber-Attacke mit Zehntausenden blockierten Computern am Wochenende warnen Experten vor neuen Angriffen.

Den Betroffenen bleiben derzeit nur zwei Möglichkeiten, um ihre Computer wieder nutzen zu können: Das System über ein hoffentlich vorhandenes externes Back-up wieder neu aufzusetzen - oder aber zu zahlen. Der britische IT-Forscher, der die Ausbreitung des Erpressungstrojaners gestoppt hatte, glaubt sogar an eine baldige neue Attacke. Das könnte sich aber noch ändern, sagt Kriegs-Au: "Viele Firmen haben am Wochenende geschlossen, mögliche Attacken könnten daher erst heute, Montag, entdeckt werden". "Da ist viel Geld im Spiel". "Es gibt keinen zentralen Server, der die Tafeln steuert", sagte der Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin. 600 Dollar pro befallenen Rechner haben wollten, binnen weniger Stunden mindestens 75 000 Computer in 99 Ländern lahm.

In Deutschland rief das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) alle Betroffenen auf, sich bei der Behörde zu melden, um einen möglichst vollständigen Überblick über die Lage zu bekommen. Diesmal wird das aber allein schon durch das kurze Zeitfenster erschwert.

Üblicherweise muss erst der Nutzer eines Computers dem Trojaner die "Tür" in seinen Rechner öffnen, etwa wenn er einen präparierten Link in einer E-Mail anklickt. Die Attacke habe eine so starke Wirkung entfalten können, weil die Schadsoftware mit einer "Wurmfunktionalität" gekoppelt gewesen sei, die eine automatische Ausbreitung ausgelöst habe.

Bereits in der Vergangenheit hatte es in Deutschland größere Hackerangriffe mit Erpressungssoftware gegeben.

Zum anderen hatte Microsoft zwar bereits im März ein Update veröffentlicht, das die Lücke stopfte - aber viele Computer weltweit waren immer noch nicht auf dem neuesten Stand. Nach der Attacke stellte der Konzern schnell auch ein Update für das veraltete Windows XP bereit, das eigentlich nicht mehr gewartet wird. Lahmgelegte Computer wurden beim Telekom-Konzern Telefónica und dem Versorger Iberdrola gemeldet. Zuvor wurde bekannt, dass auch der Nissan-Partner Renault die Produktion in mehreren französischen Werken gestoppt hatte.

Europol hatte von einem "beispiellosen Ausmaß" der Attacke gesprochen und ein internationales Vorgehen der Behörden angeregt, um die Hintermänner zu finden.

Betroffen von einer weltweiten Cyber-Attacke war am Freitag auch im Hauptbahnhof in Chemnitz eine Anzeigetafel mit Abfahrtszeiten der Deutschen Bahn (DB). Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach von einer "sehr angespannten Cyber-Bedrohungslage". Die Deutsche Bahn kämpfte weiter mit den Auswirkungen des Angriffs. Das Bundeskriminalamt nahm die Ermittlungen auf. Netze der Bundesregierung seien nicht betroffen gewesen, teilte das Innenministerium mit. Offensichtlich sei die Domain von den Angreifern als eine Art Notbremse für ihre Software gedacht gewesen, erklärte Ryan Kalember von der IT-Sicherheitsfirma Proofpoint gegenüber dem "Guardian". Klassische Antiviren-Software ist bei Erpressungs-Trojanern oft machtlos.

Unklar ist auch, wie viele Nutzer auf die Lösegeldforderungen eingehen werden. Anfang des Jahres zahlte die unterfränkische Gemeinde Dettelbach ein Lösegeld an Hacker, nachdem ein Schadprogramm das EDV-System der Stadtverwaltung lahmgelegt hatte. Die Waffe der Angreifer war jetzt Experten zufolge die Schadsoftware "Wanna Decryptor", auch bekannt als "Wanna Cry".

Der Angriff zog weltweit Kreise. Rund 1000 Computer seien betroffen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn in westlichen IT-Sicherheitskreisen wurden hinter der Veröffentlichung der NSA-Daten Hacker mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten vermutet. Dagegen seien Angriffe beim Gesundheitsministerium und der Ermittlungsbehörde abgewehrt worden, hieß es.

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