Deutschland wird Vorletzter beim ESC

Deutschland wird Vorletzter beim ESC

Letzteres haben jene, die beim NDR für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest (ESC) verantwortlich sind, immerhin hinbekommen.

100 Meter entfernt steht die Deutsche Levina hinter den Kulissen und lächelt tapfer. Verwirrende Gesten, ein unschuldiger Blick, aber eine Wahnsinnsstimme. "Musik ist Gefühl", sagt der 27-Jährige, als er die Trophäe, ein gläsernes Mikrofon, überreicht bekommt. "Einfach magisch", nennt ihn eine Moderatorin.

Damit setzte sich einer der Favoriten mit 758 Punkten durch. "Heute wurde auf Portugiesisch Geschichte geschrieben".

Dass eine weitere rote Laterne ganz knapp ausblieb, hatte man dem spanischen Sänger Manel Navarro zu verdanken, der nur auf fünf Televoting-Punkte aus Portugal gelangte und damit um Haaresbreite hinter Levina lag. Dennoch geht sie unter. Das reichte nur zu Platz 25 - von 26 Teilnehmern. Deutschland-Favoritin Levina landete lediglich auf dem vorletzten Platz und das Interesse der Zuschauer blieb aus. Auch Deutschland gab dem Land 12 Punkte. Davor immer wieder: Null Punkte.

Für Levina, die von einem Platz im oberen Drittel geträumt hatte, ein schwacher Trost...

Woran es gelegen hat? Erst zur unmittelbaren Probe vor seinem Auftritt erschien Sobral selbst. Natürlich bin ich total traurig - mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet. "Aber der ESC war eine wunderbare Erfahrung, die Vorbereitung und die Zeit hier in Kiew hat super Spaß gemacht". "Der Song 'Perfect Life' hatte beim Deutschen Vorentscheid zwei Drittel der Fernsehzuschauer überzeugt, in Europa hat das Lied die Herzen der Menschen nicht erreicht", argumentiert Schreiber. "Das hatten wir nicht erwartet". Er stellte die Frage in den Raum: "Waren ihre Ergebnisse vor 2017 Blamagen?" Die TV-Einschaltquote zeigt auch, dass es im Land eine ESC-Müdigkeit gibt. Die Lehre, die er daraus zog: "Ich empfehle niemandem, der die Musik mag, bei einer solchen Show mitzumachen".

Den "Countdown für Kiew" mit Barbara Schöneberger um 20.15 Uhr im Ersten live von der Reeperbahn in Hamburg schalteten 3,94 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 14,5 Prozent). Die Startgebühren für Deutschland hätten in diesem Jahr bei rund 380.000 Euro gelegen - "deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten von Unterhaltungsshows im Hauptabend", sagte Schreiber.

Für Aufregung in der Halle sorgte kurzfristig ein Flitzer, der während des Auftritts von Vorjahressiegerin Jamala mit Australien-Flagge bekleidet die Bühne erklomm, um die Sängerin herumtanzte und der Weltöffentlichkeit schliesslich seinen blanken Hintern präsentierte. Denn der große ESC-Skandal ist bereits Wochen vor der Glitzerveranstaltung ausgetragen worden - Russland ist nach einem diplomatischen Streit ausgestiegen. Dass Moskau aber mit einer Art Trojanischem Pferd trotzdem irgendwie teilnimmt, nehmen die Zuschauer nur am Rande wahr. Später ruderte er etwas zurück - der Teenager sprach auf Instagram von einem "Witz". Er konnte trotz meterlanger Zopfpeitsche und Netzhemd nicht überzeugen. Zu sehen sind vor allem: Drama in weißen, brautähnlichen Kleidchen, lange Frauenbeine und strenge Choreografien aus dem Mittelmeerraum.

In dieser glatten Bonbonwelt sticht der Portugiese Sobral eindeutig hervor. Der ESC hat seine eigenen Gesetze.

Wesentlichen Anteil an seinem Erfolg dürfte der Umstand gehabt haben, dass Sobral sich sowohl optisch als auch musikalisch überhaupt von den anderen Kandidaten unterscheiden ließ.

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