Internet: Vorsichtige Entwarnung nach globaler Cyberattacke

Zahl der Opfer ist nicht weiter gestiegen Bild AFP

Den Haag (dpa) - Nach der globalen Cyber-Attacke hat die europäische Polizeibehörde Europol vorsichtig Entwarnung gegeben. Welche Computer in Japan und im Ausland genau betroffen seien, werde noch untersucht. Auch die Bundesregierung erklärte, dass sich die Befürchtungen einer zweiten Angriffswelle bislang nicht bestätigt habe. "Regierungsnetze sind nach wie vor nicht betroffen".

Großbritannien, wo die Kriminellen mehrere Krankenhäuser teilweise lahmgelegt hatten, blieb am Montag von einer zweiten Attacke verschont. Europol hatte vor einem Chaos gewarnt, wenn viele Nutzer nach zwei freien Tagen ihren Computer wieder einschalteten. "Dazu kam es zum Glück nicht", sagte der Sprecher. Wer hinter der Attacke steht, ist noch unklar. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. In Deutschland ist das Bundeskriminalamt mit der Aufklärung beschäftigt.

Die Erpressungssoftware "Wanna Cry" hatte am Freitag nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200 000 Organisationen und Personen getroffen.

In China gab es 30.000 Opfer - rund 200.000 Computer wurden dort attackiert. Die Attacke zeige, dass Regierungen weltweit dringend ein gemeinsames Vorgehen für solche Fälle abstimmen müssten. Ein britischer IT-Forscher, der anonym bleiben möchte, hatte die Angriffe gestoppt. Der 22-Jährige, der als Held gefeiert wurde, widersprach in seinem Blog "MalwareTech" britischen Medienberichten, wonach er nun um sein Leben fürchten müsse.

Die Schadsoftware verschlüsselt Daten und legt Rechner damit lahm. Es gebe keine Garantie auf Freigabe der Daten, warnte Europol.

Europol teilte mit, nur wenige Opfer hätten bezahlt. Auf dem Bildschirm erscheint lediglich die Aufforderung, innerhalb von drei Tagen 300 US-Dollar (275 Euro) in der Internet-Währung Bitcoin zu überweisen. Über die anderen Regionen in China gab es keine Angaben. Es könnte sich aber auch nur um eine Atempause handeln, warnten IT-Sicherheitsexperten. Zudem sollten aktuelle Virenschutz-Lösungen eingesetzt werden. Betroffene Unternehmen rufen wir auf, sich über die etablierten Meldekanäle vertraulich an das BSI zu wenden. "In keinem Fall sollten Betroffene auf die Lösegeldforderungen eingehen". Betroffen waren auch die Deutsche Bahn, der Automobilkonzern Renault, der Telefon-Riese Telefónica und das russische Innenministerium. Allerdings waren in der Hauptstadt Bangkok mehrere großformatige digitale Anzeigetafeln gestört. Fahrkarten-Automaten seien dagegen bis auf Einzelfälle wieder einsatzbereit. In einem seiner größten Werke, der Fabrik in der nordfranzösischen Stadt Douai, stand die Produktion deswegen am Montag still.

Sie sollten verhindern, dass sich der Computervirus von möglicherweise infizierten Rechnern aus weiter verbreite, sagte eine Sprecherin. 3500 Mitarbeiter blieben am Montag zu Hause.

Nach Angaben der europäischen Polizeibehörde Europol nutzte die Schadsoftware eine Lücke im Windows-Betriebssystem des Software-Unternehmens Microsoft aus. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass das Instrument vom US-Geheimdienst NSA entwickelt und diesem dann entwendet wurde.

Der Software-Konzern Microsoft bezeichnete die Attacke als "Weckruf" für Regierungen weltweit. Er sei ein weiteres Beispiel, warum das Lagern von Schadprogrammen durch Regierungen ein Problem sei.

Auf konventionelle Waffen übertragen sei der Schaden mit dem Diebstahl einiger Tomahawk-Raketen aus dem Arsenal der US-Armee vergleichbar, schrieb Smith. "Wir waren darauf vorbereitet, darum ist Deutschland auch mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm dem rbb.

Das Sicherheitsupdate von Microsoft vom 14. März 2017 (MS17-010) steht unter https://technet.microsoft.com/de-de/library/security/ms17-010.aspx zur Verfügung.

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