Mafia in Kalabrien: Millionenbetrug im Flüchtlingszentrum

Fast täglich kommen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien. Nun soll die italienische Mafia an ihrer Unterbringung kräftig mitverdient haben

Rom - Die italienische Polizei hat bei einer Razzia gegen die 'Ndrangheta, die Mafia in der Region Kalabrien, 68 Personen festgenommen.

Carabinieri-General Giuseppe Governale sagte bei der Bekanntgabe der Festnahmen: "Das Willkommenszentrum und Fraternita di Misericordia waren die Geldautomaten der Mafia". Neben dem Chef der Organisation wurde auch der lokale Priester festgenommen.

Ermittlern zufolge hatte die zur ‚Ndrangheta gehörende Arena-Familie mit Hilfe eines Priesters und Saccos Aufträge zur Versorgung des Flüchtlingszentrums bekommen.

Den Ermittlern zufolge gelang es der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta bereits vor einem Jahrzehnt, das Aufnahmelager in der Stadt Isola Capo Rizzuto zu unterwandern. Die Hilfsorganisation habe von dem Arena-Klan kontrollierte Catering-Betriebe beauftragt. Von den 103 Millionen Euro, die zwischen 2006 und 2015 in die Einrichtung flossen, landeten demnach mindestens 36 Millionen in den Kassen der Kriminellen. Diese hätten dann mehr Mahlzeiten in Rechnung gestellt, als sie tatsächlich lieferten. Mit dem Geld seien Immobilien, Luxusautos und Yachten gekauft worden, sagte Staatsanwalt Nicola Gratteri.

Der Verdacht, dass die Mafia ihre Tentakel auch in die lukrative Flüchtlingsbetreuung ausgestreckt hat, steht schon länger im Raum: Wenn in Süditalien irgendwo öffentliche Gelder in größerem Umfang fließen, sind die Clans in der Regel nicht weit. Italien ist seit vielen Jahren das Ziel von Einwanderern aus Afrika und dem Nahen Osten. Im Internet kursieren Fotos, die ihn unter anderem mit dem italienischen Innenminister Alfano, mit Silvio Berlusconi und Papst Franziskus zeigen. Der Dachverband der Misericordie erklärte, auf eine schnelle Aufklärung zu hoffen. "Acht Jahrhunderte Geschichte" würden aber nicht durch so schwerwiegende Vorwürfe ausgelöscht, heißt es in einer Erklärung der Confederazione Nazionale delle Misericordie.

Den Mafiosi wird auch Erpressung, Waffenhandel, Steuerbetrug sowie illegale Wetten vorgeworfen, berichtete die Polizei. Italien ist derzeit in Europa das Hauptankunftsland für Flüchtlinge.

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