Studie: Rund 38 000 Tote durch mehr Stickoxide im Dieselabgas

Diesel-Kfz fordern jährlich 108.000 Tote weltweit

Zehntausende Todesfälle könnten vermieden werden, wenn die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden würden.

Forscher haben errechnet, dass weltweit jedes Jahr Zehntausende Menschen sterben, weil Dieselfahrzeuge gesetzliche Abgasgrenzwerte nicht einhalten. Am meisten betroffen waren drei Regionen, in denen vier Fünftel dieser Todesfälle passierten: die EU, Indien und China. 2015 habe der Gesamtausstoß bei 13,1 Millionen Tonnen gelegen. Vernichtende Bilanz einer Hochrechnung: Dadurch kam es allein im Jahr 2015 zu 38.000 Todesfällen - 11.400 davon in der EU.

Stickstoffoxide schädigen die Lunge, führen zu Bronchitis und tragen entscheidend bei zur Entstehung von Feinstaub sowie bodennahem Ozon, das ein starkes Reizmittel für die Atemwege ist. Die Moleküle tragen zudem zur Feinstaubbelastung bei.

Seit Beginn des Abgas-Skandals bei Volkswagen im September 2015 wurde nach und nach bekannt, dass viele Dieselfahrzeuge auf der Straße mehr Schadstoffe ausstoßen als auf dem Prüfstand. Mithilfe von Systemen, die Abgase direkt im Straßenverkehr messen, wurde in einer Reihe von Untersuchungen festgestellt, wie groß der Mehrausstoß ist.

Anenberg und Kollegen nutzten diese Ergebnisse und etablierte Modelle zur Ausbreitung von Schadstoffen, um den über den Grenzwerten liegenden Ausstoss und die Folgen für die elf grössten Märkte für Dieselfahrzeuge abzuschätzen.

In diesen Märkten - Australien, Brasilien, China, die 28 EU-Staaten, Indien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Südkorea und USA - werden rund 80 Prozent aller Dieselfahrzeuge verkauft, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Die Forscher konzentrierten sich auf Stickstoffmonoxid, chemisch NO, und Stickstoffdioxid (NO₂). Insgesamt entfallen demnach auf nur fünf Märkte - Brasilien, China, die EU, Indien und die USA - 90 Prozent des Zusatzausstosses.

Das wissenschaftliche Team um Susan Anenberg von der Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington beziffert erstmals die Folgen der aktuellen Dieselpolitik. Bei ihren Modellberechnungen unterschieden die Wissenschaftler nach Autos, Lastwagen und Bussen.

In der EU sterben demnach 11.400 Menschen, weil die Autos in Wirklichkeit mehr verbrauchen als auf den offiziellen Messständen. ICCT-Experte und Mitautor Ray Minjares sagt: "Europa trägt unter den größten Automärkten die größte Gesundheitslast durch zusätzliche Stickoxid-Emissionen".

Als "überfällig" bezeichnet Benjamin Stephan von Greenpeace die Studie: "Sie stellt Daten zur Verfügung, die wir bisher in der Diskussion vermisst haben".

Seiner Aussage nach sei die Untersuchung solide durchgeführt, es fehlten jedoch genauere Angaben zu Autoklassen und -marken. "Jetzt wird klar, welche Grössenordnung der Skandal hat und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen hat".

Eine etwas andere Sprache spricht der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags zum Abgasskandal. Darin heißt es: "Epidemiologisch ist ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NO2-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen".

Dem widersprechen eine Reihe wissenschaftlicher Experten.

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