Ermittlungen gegen VW-Chef Müller

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen Untreueverdachts bei VW

Bei einigen VW-Führungskräften prüften Staatsanwälte den Verdacht, die Finanzmärkte nach dem Beginn von "Dieselgate" zu spät informiert zu haben.

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte wächst der Druck auf Volkswagen-Chef Matthias Müller. Und die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Es geht um Marktmanipulation, teilte die Behörde mit.

Neben Müller sind auch Winterkorn und Pötsch in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder der Porsche SE Ziel der Untersuchung. Dort sitzt der Manager seit 2010 im Vorstand.

Nach Ex-Konzernchef Martin Winterkorn, Markenchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, gegen die Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig laufen, wird damit gegen einen weiteren prominenten VW-Konzernmanager ermittelt.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Mittwoch erklärt, dass es Anzeigen der Finanzaufsicht Bafin gegen die Manager gebe. Es bestehe "der Anfangsverdacht", dass die Manager den Anlegern die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre für die Porsche SE "bewusst verspätet mitgeteilt" hätten. Es seien alle kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten ordnungsgemäß erfüllt worden, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Ähnlich hatte sich die VW-Hauptaktionärin in ihrem Anfang der Woche vorgelegten Quartalsbericht geäußert. Die Beteiligungsgesellschaft hält 52,2 Prozent der Stimmrechte der Stammaktien an Europas größtem Autobauer Volkswagen. Weltweit waren schließlich Millionen von Autos betroffen. Unmittelbar Bekanntwerden des Abgasbetrugs Ende September 2015 brach der Börsenkurs der VW-Aktie ein. Laut Gesetz müssen Nachrichten, die den Firmenwert beeinflussen können, umgehend als sogenannte Ad-hoc-Mitteilungen veröffentlicht werden. Volkswagen erklärte bisher, sich an alle gültigen Regeln gehalten zu haben.

Die Porsche SE hat ihren Sitz in Stuttgart, weshalb die dortige Staatsanwaltschaft für die Belange der Holding verantwortlich ist.

Im Skandal um geschönte Abgaswerte wächst der Druck auf Volkswagen-Chef Matthias Müller. Bei nachgewiesener Marktmanipulation droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe. Ausnahme: Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) erlaubt für Konflikte im Kapitalmarktrecht - also beispielsweise zwischen Aktionären und Unternehmen - die Bündelung ähnlicher Ansprüche von Anlegern, die als Leitlinien herangezogen werden können. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart startete bereits im Februar ein entsprechendes Verfahren, wie sie am Mittwoch mitteilte. Die "Wirtschaftswoche" hatte zuvor darüber berichtet.

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