Mafia verdiente Millionen mit Flüchtlingszentrum

Fast täglich kommen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien. Nun soll die italienische Mafia an ihrer Unterbringung kräftig mitverdient haben

In Süditalien sind am Montag 68 Personen unter dem Verdacht festgenommen worden, mit der Aufnahme von Migranten mafiöse Geschäfte gemacht zu haben. In dem Aufnahmezentrum in Isola di Capo Rizzuto sind rund 1500 Flüchtlinge untergebracht. Es geht um Gelder aus den Jahren 2005 bis 2016 für die Verwaltung von einer der größten derartigen Einrichtungen in Europa. Das Finanzministerium in Rom beziffert das diesjährige Budget für die Aufnahmezentren auf schätzungsweise drei Milliarden Euro - abhängig davon, wie viele Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht werden. Die Mitglieder zweigten demnach rund 32 Millionen Euro in die eigenen Taschen ab, indem sie das Flüchtlingslager "C.A.R.A. Sant'Anna" in Isola Capo Rizzuto kontrollierte. Die Mitglieder sollen unrechtmäßig an Aufträge für verschiedene Dienstleistungen wie zum Beispiel für die Verpflegung gekommen sein. "Das Willkommenszentrum und die Hilfsgruppe Fraternita di Misericordia waren die Geldautomaten der Mafia", sagte der Carabinieri-General Giuseppe Governale bei der Bekanntgabe der Verhaftungen.

Die gemeinnützigen Vereine und Kooperativen, die in Italien im Auftrag des Staates die Flüchtlingszentren führen, tragen meist wohlklingende und unverdächtige Namen. Neben dem Chef der Organisation, Leonardo Sacco, wurde auch der lokale Priester festgenommen.

Es gibt schon seit längerem Hinweise darauf, dass die Mafia-Clans an den Fllüchtlingen kräftig mitverdienen. Confraternita delle Misercordie erklärte, auf eine schnelle Aufklärung zu hoffen und fügte hinzu: "Acht Jahrhunderte Geschichte" würden aber nicht durch so schwerwiegende Vorwürfe ausgelöscht.

Dem Arena-Clan wird außerdem Waffenschmuggel, Schutzgelderpressung, Veruntreuung von Geldern und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Zuletzt hatte der italienische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro das Thema aufgebracht. Der Chef der italienischen Antikorruptionsbehörde, Raffaele Cantone, sagte, der Fall in Crotone sei wohl nur "die Spitze des Eisbergs". Im vergangenen Jahr kamen rund 180 000 Migranten an - in diesem Jahr werden noch mehr erwartet.

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