Weitere Wehrmachtsandenken in Kasernen gefunden

Im Aufenthaltsraum des Jägerbataillons 291 der Bundeswehr in Illkirch bei Straßburg liegt am ein Stahlhelm auf einem Regal

Die von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geforderte Entfernung sogenannten Wehrmachtsdevotionalien aus Liegenschaften der Bundeswehr hat parteiübergreifend scharfe Kritik ausgelöst. Es sei wichtig, den Traditionserlass der Bundeswehr aus dem Jahr 1982 zu überarbeiten, da dieser "einige Hintertürchen hat", sagte die Ministerin am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des deutschen Bundestags. Sie betonte, es sei ihr nach Bekanntwerden der Terrorvorwürfe gegen den Oberleutnant Franco A. nicht darum gegangen, die Angehörigen der Bundeswehr unter Generalverdacht zu stellen, sondern nur um Aufklärung. Zur Aufarbeitung der Affäre um den rechtsradikalen Offizier Franco A., der Anschläge plante und Munition beiseite schaffte, lässt von der Leyen nun den Umgang der Bundeswehr mit der Wehrmachtsvergangenheit überprüfen. In der Kaserne in Illkirch, wo A. stationiert war, war ein mit Wehrmachtsandenken dekorierter Freizeitraum entdeckt worden. "Bis zum 20. Juli darf es in Deutschland keine Kaserne mit solch fragwürdigen Namenspatronen mehr geben", sagte Riexinger unserer Redaktion. An die Ministerin gerichtet fügte er hinzu: "Sie und Ihre Partei stellen ein Sicherheitsrisiko dar".

Der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping kritisierte die Entfernung eines Bildes von Altkanzler Helmut Schmidt in Wehrmachtuniform an der Universität der Bundeswehr in Hamburg als "billig" und "empörend". Zahlen und Orte der Funde nannte die Ministerin nicht.

Seit 1995 sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits 16 Kasernen umbenannt worden. Aus dem Verteidigungsausschuss erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass 41 weitere problematische Erinnerungsstücke mit Wehrmachtsbezug gefunden worden seien. Es gehe darum, den Verlust von Vertrauen in die Bundeswehr zu stoppen. Die Verfahren richten sich dem "Spiegel" zufolge gegen den Chef des Streitkräfteamts und den damaligen Rechtsberater. Den beiden wird vorgeworfen, sich nicht an den Militärischen Abschirmdienst (MAD) gewandt zu haben, als A. 2014 in seiner Masterarbeit mit rechtsextremem Gedankengut aufgefallen war.

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