Innensenator: Amri hätte wohl vor Anschlag verhaftet werden können

Laut Geisel hätte Amri wohl gestoppt werden können

Möglicherweise wurde beim LKA ein Dokument gefälscht.

Der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt hätte nach Angaben des Berliner Innensenators Geisel vor seiner Tat verhaftet werden können.

Die neuen Informationen zum sogenannten Fall Amri hat der vom Berliner Senat im März eingesetzte Sonderermittler Bruno Jost ermittelt, der sich vor kurzem Akten vom Landeskriminalamt kommen ließ. Im Berliner Landeskriminalamt (LKA) ist ein Dokument vom November 2016 aufgetaucht, das die Ergebnisse einer Telefonüberwachung von Amri zusammenfasst.

Eine Ende September 2016 eingestellte Überwachung von Amris Telekommunikation hatte ergeben, dass dieser gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln betrieb. Mit einer Verhaftung hätte der Anschlag womöglich verhindert werden können, sagte Geisel. Und offensichtlich entschlossen sie sich, ein Dokument zu erfinden: Jemand verfasste ein Schreiben, das aussehen sollte, als stamme es vom 1. November und in dem behauptet wurde, Amri sei nur ein Kleinkrimineller - was einen Antrag auf Haftbefehl unmöglich gemacht hätte.

Geisel erklärte, die Verantwortlichen hätten offenbar versucht, ihr Versäumnis im Nachhinein zu vertuschen.

"Ich weiß, dass diese Nachricht bedrückend ist", sagte Geisel weiter. Auf Anfrage der Deutschen Welle zu diesem möglichen Beamtenskandal in Berlin heißt es aus dem Bundesinnenministerium lediglich: "Dazu wird es heute von uns keine Äußerung mehr geben".

Der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri hätte nach neuen Erkenntnissen möglicherweise vor dem Anschlag festgenommen werden können. Er tötete zwölf Menschen. Den Fahrer des Lastwagens hatte er bereits zuvor erschossen. Er habe weiter Vertrauen in die Behörde, sagt der Innensenator Geisel. "Wir müssen davon ausgehen, dass jetzt im Raum steht: Strafvereitelung im Fall Anis Amri und Falschbeurkundung". Der Innensenator hat Strafanzeige gegen mehrere Beamte des LKA gestellt und disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet. Doch er droht auch: "Sollte im LKA irgendwas verschleiert worden sein, werden wir das aufklären und Konsequenzen ziehen".

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