ARD lehnt Ausstieg Deutschlands beim Song Contest ab

Manche kritisieren, dass Deutschland als einer der großen Geldgeber automatisch fürs ESC-Finale gesetzt ist.

"Wenn jemand eines Tages nach mir fragt, sag, dass ich lebte, um dich zu lieben", heißt es wehmütig in dem Song.

Mit einem ungewöhnlichen, ruhigen und speziellen Jazz-Walzer gewann der Portugiese Salvador Sobral den 62. Gerade einmal sechs Punkte gab es für den Beitrag von Levina "Perfect Life". Österreichs Kandidat Nathan Trent landete letztlich auf einem sehr passablen 16. Platz - der allerdings ausschließlich auf das Votum der internationalen Jurys zurückzuführen war, die insgesamt 93 Punkte an den 25-jährigen Tiroler für sein selbst geschriebenes Lied "Running on Air" vergaben.

Portugiesische Medien berichten, dass Salvador Sobral an einer Herzschwäche leidet. Aber vielleicht ändere sich durch seinen Erfolg etwas. Insofern dürfte sich die Enttäuschung über den vorletzten Platz von Levina nach den beiden letzten Plätzen der Vorjahre vielerorts in Grenzen halten. Der zuständige Mann dort heißt Thomas Schreiber, er ist Programmleiter im Bereich Fiktion und Unterhaltung, gleichzeitig koordiniert er senderübergreifend all das, was die ARD als Unterhaltung klassifiziert. Er stellte die rhetorische Frage: "Waren ihre Ergebnisse vor 2017 Blamagen?" 2016 hatte Sängerin Jamie-Lee für ihr Lied "Ghost" (Geist) nur elf Punkte bekommen und war Letzte geworden - ebenso wie im Jahr zuvor Ann Sophie, die mit "Black Smoke" (Schwarzer Rauch) keinen einzigen Punkt geholt hatte. Zwar hatten 69 Prozent der Zuschauer beim Vorentscheid dafür gestimmt, doch da half bei der Zustimmung wohl auch der Mangel an guten Alternativen. Ganze 752 Punkte trennte Deutschland vom Sieger aus Portugal.

Gesehen haben das Finale des Song Contest am Samstag in Deutschland 7,76 Millionen Menschen. Aus Armenien, das 4500 Kilometer weit entfernt liegt. Sobral verlor sich in dem Song "Amar Pelos Dois" (Liebe für zwei), der melancholisch-schlichten Komposition seiner drei Jahre älteren Schwester Luisa. Die TV-Einschaltquote zeigt auch, dass es im Land eine ESC-Müdigkeit gibt. Im Jahr darauf verhalf Stefan Raab dem Wettbewerb mit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut zu einem furiosen Comeback und fast 15 Millionen Zuschauern in Deutschland. Das ist noch immer eine tadellose Quote, aber erstmals seit 2009 verfehlte die Show in der ARD die Marke von acht Millionen Zuschauern. Wenn Levina Deutschland schon nicht begeisterte, wie sollte sie Europa für sich einnehmen?

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