Aufschrei in Cannes: Netflix erobert das Filmfest

Jake Gyllenhaal in einer Szene des Films „OKJA”

Dass der Streamingdienst Netflix mit zwei Filmen beim Filmfestival in Cannes ins Rennen geht, sorgte für einen Aufschrei. Der Grund ist Netflix. Dass nun Filme im Rennen sind, die fast kaum in den Kinos laufen werden, stößt auf Kritik.

Gestern stand mit "Okja" der erste Netflixfilm im Programm - und wurde tatsächlich zur ernstzunehmenden Konkurrenz für die 18 anderen Beiträge im Wettbewerb. "Okja" des Südkoreaners Bong Joon Ho wurde nach fünf Minuten gestoppt - nach anhaltenden Zwischenrufen aus dem Publikum.

Im Zentrum stehen das Mädchen Mija und ihr geliebtes Riesenschwein namens Okja, mit dem sie in den südkoreanischen Bergen in einer grünen Idylle gemeinsam aufgewachsen ist. Als dann aber ein multinationaler Konzern kommt und das Schwein in seinen Schlachthöfen zu profitablem Fleisch verarbeiten will, riskiert das Mädchen alles, um Okja zu retten. Die Hollywoodstars Tilda Swinton (Oscar für "Michael Clayton") und Jake Gyllenhaal ("Nightcrawler") haben ansteckend viel Spaß daran, als wandelnde Karikaturen so richtig vom Leder zu ziehen: Während Swinton in ihrer zweiten Zwillings-Doppelrolle nach "Hail, Caesar!" wirklich alles verkörpert, was an Wirtschaftslenkern nur verachtenswert sein kann, liefert Gyllenhaal als sich würdelos an seinen früheren Ruhm klammernder Tier-TV-Moderator mit nervend-quietschiger Stimme eine regelrechte Slapstick-Performance ab - wir haben lange keinen so wunderbar-erbärmlichen Bad Guy mehr auf der Leinwand gesehen.

"Okja" soll in den USA und Südkorea auch in Kinos zu sehen sein. Davon sahen die Festivalvorsitzenden Pierre Lescure und Thierry Frémaux ab, verfügten jedoch, dass ab 2018 alle Filme, die in den Wettbewerb eingereicht werden, auch den französischen Kinos zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Produktionen von Netfilx zu verteufeln ist einfach. Immerhin werden so Serien und Filme produziert, die sonst möglicherweise nie finanziert worden wären. "Wir sind eh nicht für die Preise gekommen", ergänzte Tilda Swinton. Stellt euch mal Folgendes vor: Der liebgewonnene Außerirdische, der doch einfach nur in Ruhe nach Hause telefonieren will, wird in der zweiten Hälfte von Steven Spielbergs "E.T." nicht nur gefoltert und vergewaltigt, es tauchen auch noch ganz viele weitere niedliche Außerirdische auf, die in Vernichtungsanlagen zerlegt werden, während die Alien-Eltern verzweifelt versuchen, zumindest die Babys durch die elektrischen Stacheldrahtzäune hindurch in Sicherheit zu bringen. Auch "OKJA" kostete rund 50 Millionen Dollar - "ein Riesenbudget" wie Regisseur Bong Joon Ho in Cannes betonte. Dennoch sei es sehr interessant diese Diskussion zu verfolgen.

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