Ridley Scott: "Ich weiß selbst noch nicht genau, wohin die Reise geht"

Filmkritik Alien Covenant – Charme des Originals mit neuem Drive

Zu Beginn der Produktion hiess der sechste "Alien"-Film noch "Prometheus 2" - doch die Bürde des von den Fans und Kritikern wenig geliebten ersten Prequels zur "Alien"-Reihe liess die Verantwortlichen um Regisseur Ridley Scott dann doch den Titel ändern". Auf der einen Seite steht der mutige Regisseur, der Filme für Erwachsene machen möchte, Filme, die man so schnell nicht vergisst, auf der anderen Seite stehen die Produzenten, die darauf achten, nur ja keine möglichen Kinogänger abzuschrecken. Scotts subtile Veränderung seiner eigenen Vorlage besteht jedoch in der Einführung einer Kategorie, die in jener fehlte: Diesmal gibt es nicht nur das Schlimme, sondern auch das Böse.

Der sechste Teil der "Alien"-Reihe laboriert an den selben Problemen, die bereits "Prometheus" zu einer zähen Angelegenheit verkommen ließen". Oder sich doch lieber freuen, dass der Xenomorph, das albtraumhafte Monster, das Scott 1979 in "Alien" erstmals entfesselte, ihn auch heute noch immer umzutreiben scheint? Zudem schleppt der auf physische Alien-Action getrimmte Film schwer an seinem metaphysischen Ballast.

Scott: Ich bin zu Fox und habe ihnen den Plan unterbreitet, die Filmreihe wiederauferstehen zu lassen.

Trotzdem wird die Geschichte von Altmeister Scott hervorragend inszeniert und in den gut zwei Stunden spannend erzählt. Stelle mit ihr komplexere Fragen. Es gehe "nicht nur um den technischen Fortschritt künstlicher Intelligenz, sondern um Evolution". Er befindet sich an der Kreuzung menschlichen Verhaltens und beschließt, dass wir in seinen Augen eine ziemliche Enttäuschung sind. Für erhöhten Herzschlag sorgt Scott neben schick designten, aber oft sichtlich computeranimierten Scheusalen mit einem ordentlichen Maß an Gewalt. Stattdessen gab es eine exzellent besetzte Meditation über den möglicherweise doch sehr gottlosen Ursprung der Menschheit. Die Welt, in der wir inzwischen leben, bringt so viele Vorzüge mit sich. Damals war der Schrecken noch ein Lovecraft'scher "Cosmic Horror", namenlos und unerklärlich, die Ausgeburt eines leeren Universums, in dessen Tiefen kein Weihnachtsmann und kein Gott, sondern nur der Tod wartet. "Ein gutes Casting ist die halbe Miete", so Scott, "denn wenn dies nicht passt, kannst du das als Regisseur nicht mehr wettmachen". Und so darf man das Kino freudig über eine gebührende Fortsetzung der Alien-Reihe verlassen und sich auf weitere Teile freuen. Auch wenn für mich die Evolution der Kreatur im Vordergrund steht. Ich schaue einfach, wo sie mich hinführt. Hauptdarstellerin Katherine Waterston als Daniels darf ebenfalls im ersten Drittel des Films mit soetwas wie Tiefgang glänzen. 1979 galt das als revolutionär. Scott habe von Anfang an einen "harten Film mit R-Rating" (in den USA: ab 17 Jahren) machen wollen und angekündigt: "Dafür brauchen wir viel Weinrot", was im Filmjargon nicht anderes meint als Kunstblut. Sigourney war die perfekte Wahl, die ich nie hinterfragt habe.

Da wäre zum einen erneut die seltsame Entscheidung, dramaturgisch wichtige Aspekte des Films auszulagern. Fast 40 Jahre ist Scotts Weltraum-Saga mit der ikonischen, von HR Giger entworfenen Spezies nun alt - das weckt Erwartungen.

Scott: Nein, das hat sich zum Glück dramatisch geändert. Einzig der Neu-Captain Oram (Billy Crudup) bietet eine psychologisch betrachtet interessante Figur - zumindest im ersten Drittel des Films, danach verlaufen die Konflikte im Sand. Dass ein Expeditionsteam extraterrestrischen "Konstrukteuren" nachspürte, in denen sie die Schöpfer der Menschheit vermuten, war immerhin neu, eine Abkehr von der Genreformel: ein Raumschiff, seine Besatzung, (mindestens) ein Alien und die Frage, wer am Ende überlebt. Ich glaube nicht. Als ich den Film "Der Marsianer" drehte, habe ich eng mit Wissenschaftlern zusammengearbeitet.

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