Nach Anschlag in Manchester Briten empört über US-Veröffentlichungen

Nach Anschlag in Manchester © dpa

Nach Informationen der BBC stoppte die Polizei wegen dieser Indiskretionen die Weitergabe ihrer Erkenntnisse zu dem Anschlag an die US-Behörden, obwohl dies unter Partnerländern eigentlich üblich ist. Er kündigte Ermittlungen und gegebenenfalls eine Bestrafung des Täters an.

Von Premierministerin Theresa May beim NATO-Gipfel in Brüssel mit dem Vorfall konfrontiert, versprach US-Präsident Donald Trump Aufklärung und Strafverfolgung. Beide Staaten sind bei Sicherheits- und Verteidigungsthemen seit Jahrzehnten die engsten Verbündeten. Später allerdings veröffentlichte die Zeitung New York Times einen Artikel mit genauen kriminaltechnischen Fotos vom Tatort. Die Leak-Kultur und mangelnde Disziplin unter der Neuen Regierung in Washington seien die Ursache. Außerdem waren die Ermittler empört darüber, dass der Name des Verdächtigen von US-Seite öffentlich gemacht wurde, obwohl zu diesem Zeitpunkt in Manchester und in Libyen noch Einsätze zur Festnahme möglicher Mitwisser liefen. Die Berichterstattung über den Anschlag sei "sowohl umfassend als auch verantwortungsbewusst" gewesen.

Bei dem Terroranschlag auf Besucher eines Popkonzerts in Manchester waren am Montagabend 22 Menschen getötet worden.

Abedi kein Einzeltäter war, sondern dass ein ganzes Terrornetzwerk hinter der Tat steckt. Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst zwar bekannt, er sei zuletzt aber nicht mehr regelmäßig überprüft worden, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise. Vor dem Anschlag hielt sich Abedi nach Angaben der türkischen Behörden überdies am Atatürk-Flughafen in Istanbul auf. Ein Aktivist habe die Anti-Terror-Behörde zweimal über extremistische Äußerungen des Mannes informiert, sagte der Vorsitzende der Ramadhan Foundation, Mohammed Shafiq. Man fragt sich, was dann gegenüber Lawrow noch an großen Geheimnissen ausgeplaudert werden konnte.

Die Motive Abedis sind weiter unklar. Das Rachemotiv gehe auf die Ermordung eines ebenfalls libyschstämmigen Freundes durch britische Jugendliche im vergangenen Jahr in Manchester zurück, verlautete am Donnerstag aus dem Umfeld der Familie des Attentäters. Die mutmaßlichen Mörder stehen derzeit vor Gericht. Laut einem in Manchester lebenden Verwandten kehrte er erst vier Tage vor dem Anschlag von einem Besuch in Libyen zurück in seine Heimat.

Abedis Schwester Jomana sagte dem "Wall Street Journal" dagegen, ihr Bruder habe den Tod muslimischer Kinder in der Welt, etwa "durch amerikanische Bomben", rächen wollen.

Am Donnerstagmittag gedachte Großbritannien der 22 Anschlagsopfer in einer Schweigeminute. Der 18-jährige Haschim Abedi habe in Gewahrsam erklärt, dass sowohl er als auch sein Bruder zur Terrormiliz "Islamischer Staat" gehört hätten und er Details zum Anschlag gekannt habe. Polizeichef Ian Hopkins erklärte, auch die Angehörigen der Opfer seien verstört, dass Beweise durchgesickert seien.

Unter den festgenommenen Personen befinden sich auch ein Bruder des mutmaßlichen Attentäters und sein Vater. Auch diese Dokumente waren offenbar Teil des Ermittlungsmaterials, das die britischen Geheimdiensten ihren US-Partnern unter dem Siegel der Vertraulichkeit zukommen ließen. Dadurch erhält die Polizei nun Hilfe vom Militär.

Die britische Polizei nahm am Donnerstag im Raum Manchester zwei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag fest. Ein verdächtiges Paket im Südwesten der Stadt löste den Großeinsatz der Polizei aus - es entpuppte sich wenig später als harmlos. Nach Angaben des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) wurden insgesamt 116 Menschen bei dem Attentat verletzt. Mindestens 59 Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht, viele davon lebensgefährlich. 20 von ihnen sind noch in einem kritischen Zustand.

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