NSU-Prozess: Beate Zschäpes Mutter verweigert Aussage

Die Angeklagte Beate Zschäpe im Oberlandesgericht in München

In dem Antrag wird Bauer vorgeworfen, er habe jede professionelle Distanz verloren und eine neutrale Position längst verlassen. Die Nebenkläger begründen das mit einer E-Mail Bauers an den Online-Chef der Welt-N24-Gruppe, in der er erklärt hatte, das von ihm erstellte Gutachten passe einigen nicht. "Das Stereotyp, dass Frau Zschäpe das nackte Böse in einem weiblichem Körper ist, darf nicht beschädigt werden", schrieb der Psychiater über den Umgang mit Zschäpe.

Zschäpes Mutter verweigerte zwar vor dem Oberlandesgericht erneut die Aussage, wie schon bei ihrer ersten Ladung 2013. Und weiter: "Eine Hexenverbrennung soll ja schließlich Spaß machen".

Demnach erkannte Zschäpes Mutter bei den NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, mit denen ihre Tochter 1998 in den Untergrund abgetaucht war, durchaus eine rechtsgerichtete Haltung, etwa anhand von Springerstiefeln. Die rechte Gesinnung ihrer Tochter will die Mutter nicht erkannt haben. Das berichtete ein als Zeuge geladener Polizist.

Damit diffamiere Bauer alle Prozessbeteiligten, heißt es in dem Befangenheitsantrag. Damals sagte sie: "Die politische Einstellung meiner Tochter war nicht der ausschlaggebende, jedoch ein sehr bedeutender Grund für unser Zerwürfnis". Der Psychiater sehe sich "offensichtlich als Retter" der Hauptangeklagten vor einer "Hexenverbrennung" - dabei habe ein Sachverständiger sein Gutachten objektiv zu erstatten. Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass Bauer versucht hatte, Zschäpe Pralinen in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim mitzubringen. Das Gericht selbst hatte ebenfalls einen Sachverständigen bestellt. Mit Bauer hatte Zschäpe - anders als mit Saß - mehrfach gesprochen.

Beate Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit den beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit sollen die Männer neun türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende und eine Polizistin erschossen haben.

Die Bundesanwaltschaft macht Zschäpe als Mittäterin für die zehn Morde verantwortlich, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelastet werden. Laut der aus dem November 2011 stammenden polizeilichen Vernehmung gab es in Zschäpes Familie eine eher "linksgerichtete Weltanschauung". Erst 1996, nach einer Hausdurchsuchung in ihrer Wohnung, sei ihr bewusst geworden, "dass die beiden jungen Männer und ihre Tochter Neonazis sind", berichtete der damalige Vernehmungsbeamte. Sie sei ein "aufgeschlossenes, nettes Mädchen" gewesen.

Zschäpe habe auch gewusst, was sie wolle und sei "nicht leicht zu beeinflussen gewesen", hieß es in der Beschreibung der Mutter weiter.

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