Deutsche Wirtschaft erwartet von Indien mehr Reformen

Kanzlerin Angela Merkel und Premierminister Narendra Modi bei deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Neu Delhi 2915

Deutsche Wirtschaftsvertreter fordern von Indien weitere Reformen und eine Öffnung des Marktes. Modi will bei seinem Besuch um deutsche Investitionen werben, besonders aus dem Mittelstand.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den indischen Premierminister Narendra Modi am Montag zur Vorbereitung der vierten deutsch-indischen Regierungskonsultationen empfangen. Bei dem Treffen beider Regierungen soll es um eine Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Wirschaft, Wissenschaft, Technologie, Klimapolitik und Entwicklungszusammenarbeit gehen. "Wir hoffen, dass dieses Thema angesprochen wird", ergänzte Modi mit Blick auf den G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg. Vor allem Zölle, mangelnde Rechtssicherheit und fehlende Infrastruktur machten deutschen Firmen zu schaffen, sagte der Vorsitzende des Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Lienhard, in Berlin.

Die deutsche Wirtschaft würde nach einer aktuellen Studie von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien kräftig profitieren. Deutschland könne in diesem Fall mit einem um jährlich 4,6 Milliarden Euro höheren Bruttoinlandsprodukt kalkulieren, berechnete das Ifo-Institut im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Das sei das potentiell höchste Plus innerhalb der EU nach Großbritannien (4,8 Milliarden Euro), das aufgrund seiner Kolonialgeschichte besondere Beziehungen mit Indien pflegt. Verlierer wären demnach Dienstleister sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie mit einem erwarteten Minus von jeweils mehreren Hundert Millionen Euro.

Bereits seit 2007 laufen die Verhandlungen zwischen Indien und der EU, liegen jedoch seit 2013 offiziell auf Eis. Die größten Hemmnisse aus deutscher Sicht liegen im Auto- und Pharmasektor. Wer fertig montierte Personenwagen nach Indien einführt, zahlt dafür je nach Größe des Fahrzeugs zwischen 60 und 100 Prozent des Neupreises.

In den Handelsbeziehungen der Pharmabranche gibt es Streit um das geistige Eigentum. Indiens gigantische Industrie für Generika - Nachahmermedikamente, die nach Ablauf des Patentschutzes von Originalmitteln günstiger auf den Markt kommen, wird geschützt durch sehr strikte Gesetze.

Das Potenzial scheint groß: Indien hat 1,3 Milliarden Einwohner und gehört derzeit zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern. In diesem Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent erwartet. Laut APA lag das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien 2016 bei rund 17 Milliarden Euro. Allerdings wuchsen die deutschen Exporte nach Indien im ersten Quartal um 19 Prozent.

Freihandel muss her Gleichzeitig lobte Lienhard aber auch, dass die Einführung einer einheitlichen Umsatzsteuer in Indien "vielversprechend und für deutsche Unternehmen ein Investitionsanreiz" sei.

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