Smartphones können Kinder krank machen - Experten fordern Grenzen

Smartphones können Kinder laut Studie krank machen

Berlin sz Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, wie aus der am Montag von der Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) veröffentlichten Blikk-Studie hervorgeht.

Laut der Studie ist das Risiko von Konzentrationsstörungen bei einem täglichem Smartphonegebrauch von mehr als 30 Minuten bei 8- bis 13-Jährigen sechs Mal höher als üblich. Ein wesentlicher Studienbefund: Ist der Medienkonsum bei Kind oder Eltern auffallend hoch, stellen Kinder- und Jugendärzte weit überdurchschnittlich entsprechende Auffälligkeiten fest.

"Diese Studie ist ein absolutes Novum". "Sie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos in der Entwicklung eigener Medienkompetenz allein gelassen werden". "Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen", erklärte Mortler.

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. "Sie müssen erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen", sagte Mortler. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Studie hervor, bei der mehr als 5500 Kinder und Eltern zum Thema befragt wurden.

Verwendet eine Mutter etwa während des Stillens parallel digitale Medien, so gebe es messbare Hinweise auf Bindungsstörungen. Hier lasse sich ein signifikanter Zusammenhang feststellen. Das hat oft gravierende Folgen: Die Kinder werden zappelig, leiden unter Konzentrationsstörungen und sind in ihrer Sprachentwicklung gestört.

Sieben von zehn Kita-Kindern nutzen demnach die Smartphones ihrer Eltern länger als eine halbe Stunde pro Tag.

Bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr finden sich vermehrt Sprachentwicklungsstörungen sowie motorisch Hyperaktivität bei denjenigen, die intensiv Medien nutzen. Die Kinder seien unruhig und leicht ablenkbar. Außerdem sehen die Forscher einen Zusammenhang zu einem erhöhten Genuss von Süßgetränken und Süßigkeiten sowie einem erhöhten Body-Maß-Index (BMI). Der Grund hierfür: Ein "nennenswerter Teil" der befragten Kinder und Jugendlichen gab an, Probleme mit einer selbstbestimmten Kontrolle ihrer Internetnutzung zu haben. Experten gingen von etwa 600.000 Internetabhängigen und 2,5 Millionen problematischen Internetnutzern in Deutschland aus.

Studienleiter Prof. Dr. Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln, sagte: "Als Fazit der Studie ergibt sich, dass der richtige Umgang mit den digitalen Medien, die durchaus einen berechtigt hohen Stellenwert in Beruf und Gesellschaft eingenommen haben, frühzeitig kontrolliert geübt werden soll".

Uwe Büsching vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte äußerte sich besorgt über das mangelnde Problembewusstsein vieler Eltern. "Gerade wenn das Verhalten oder die Entwicklung auffällig ist, sollte immer auch ein unangebrachter Umfang der Eltern wie der Kinder mit Medien in Betracht gezogen werden". Der Arzt fordert deshalb, dass "eine Medien-Anamnese und eine qualifizierte Medienberatung" künftig die Früherkennungsuntersuchungen ergänzen müssten.

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