Thüringens Lehrerverbandschef: "Ein desaströses Bild der inklusiven Schule"

Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann

Stuttgart - Die Mehrheit der Lehrer in Baden-Württemberg spricht sich für gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen aus. Das geht aus einer heute veröffentlichten Forsa-Umfrage für den Verband Bildung und Erziehung hervor. Davon wurden 500 Lehrer aus Bayern dezidiert zu den Bedingungen an ihren Schulen befragt. In 54 Prozent der inklusiven Lerngruppen unterrichtet in der Regel nur ein Lehrer. 98 Prozent sprechen sich dafür aus, grundsätzlich mit einer Doppelbesetzung aus einem Regelschullehrer und einem Sonderpädagogen zu unterrichten. Etwa 20000 von ihnen besuchen eine Regelschule. 2011 waren es 6500 Kinder, vier Jahre später schon 8200. Zwar halten mehr als die Hälfte der Lehrkräfte die Einbeziehung behinderter Kinder in Regelklassen im Grundsatz für richtig. Allerdings sei die Umsetzung der Inklusion in Nordrhein-Westfalen so mangelhaft, dass fast alle Pädagogen auch an Förderschulen festhalten wollen. Bundesweit halten 54 Prozent der Lehrer inklusiven Unterricht für sinnvoll. Auch wendeten "viele Lehrer noch immer zu viel Kraft für Zweifel, Skepsis und vor allem Widerstand auf, anstatt sich mit positiver Energie an die Umsetzung der Inklusion zu machen".

Dass immer mehr Schüler besonders viel Aufmerksamkeit brauchen, bestätigt Susann Michaelsen, die die größte Augsburger Grundschule im Stadtteil Kriegshaber leitet. 97 Prozent der Befragten wünschen sich ständig einen Sonderpädagogen an ihrer Seite, um allen Kindern gerecht werden zu können. Das sei ein gesellschaftliches Problem, sagt Michaelsen. Sie kämen der Aufgabe, die Schulen barrierefrei zu gestalten nicht schnell genug nach. Pädagogisch ausgebildet sind die Helfer aber meist nicht. "Das Vertrauen der Lehrer in das Konzept der Inklusion muss zurückgewonnen werden".

Braun fordert: "Schluss mit stundenweiser Förderung, Schluss mit stundenweiser Unterstützung, Schluss mit stundenweiser Beziehungsarbeit". Kostenpunkt: 200 Millionen Euro.

Neben der Personalausstattung ist laut Umfrage die Eignung der Schulgebäude für den gemeinsamen Unterricht ein großes Problem. "Sie haben Angst, dass ihr Kind dann einen Stempel aufgedrückt bekommt". Sie fordern mehr Personal, bessere Ausbildung und Räume. Zwei bis drei leiden an Autismus, ein anderes Kind ist hörgeschädigt. Gerade im Hinblick auf die Inklusion ist die Bereitstellung von Schulgesundheitsfachkräften unumgänglich.

So kann Inklusion funktionieren: Stets eine Lehrkraft, ein Sonderpädagoge und ein Helfer im Unterricht - aber wo gibt's das? Auf Beschluss des Landtags befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der Schulform. Gleichzeitig gaben insgesamt 88 Prozent der Befragten an, dass beim Hinzukommen eines Kindes mit Unterstützungsbedarf die Klassenstärke gleich geblieben oder sogar vergrößert worden ist.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

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