Warenhäuser wollen an Sonntagen häufiger öffnen

Warenhäuser wollen an Sonntagen häufiger öffnen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Verfahren gegen kommunale Genehmigungen für verkaufsoffene Sonntage geführt, nach eigenen Angaben zumeist mit Erfolg.

In den vergangenen Monaten haben Verdi und Kirchen in vielen Kommunen erfolgreich über den Rechtsweg kurzfristig die Öffnung von Geschäften an einem Sonntag verhindert. Im Koalitionsvertrag habe man sich darauf verständigt, die geltenden Regelungen zum Schutz der Sonn- und Feiertage zu erhalten. Geschäfte in Berlin dagegen dürfen bis zu zehn Sonntage öffnen.

Erst vor wenigen Tagen hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig als letzte Instanz in einem solchen Prozess seine restriktive Linie unterstrichen, wonach die Kommunen den Händlern die Sonntagsöffnung nur als eine Art Beiprogramm zu anderen, größeren Veranstaltungen genehmigen dürfen.

Jetzt setzen Händler zur Gegenoffensive an.

Jetzt plant das Bündnis "Selbstbestimmter Sonntag" weitere Aktionen und will sich laut "SZ" gezielt an Parlamentarier in Bund und Ländern wenden, damit die gesamte Diskussion auch heiß bleibt. Weitere Unternehmen würden folgen, kündigte Fanderl an, ohne jedoch konkreter zu werden. HDE-Chef Stefan Genth hatte sich kürzlich in der WELT AM SONNTAG eher für Runde Tische auf lokaler Ebene und eine Berliner Lösung ausgesprochen. Das Einkaufserlebnis an sich darf bei einer Sonntagsöffnung nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht im Vordergrund stehen. In den florierenden Bundesländern im Süden und Südwesten Deutschlands sind Forderungen nach einer Liberalisierung offenbar umstritten. Im E-Commerce sei der Sonntag nachweislich der verkaufsstärkste Tag mit einem Umsatzanteil von 20 bis 30 Prozent, hieß es in Köln.

"Wir wollen Waffengleichheit", erklärt KaDeWe-Chef Andre Maeder laut N-TV und meint damit nicht nur den Online-Handel, sondern beispielsweise auch Outlet-Zentren in den Niederlanden und Polen.

Hier Stephan Fanderl, CEO der Karstadt Warenhaus AG, im O-Ton: "Die zunehmenden Erschwernisse der Sonntagsöffnungen haben negative Konsequenzen für den Handel, aber auch für die Gesellschaft".

Der Handel investiere in lebendige Innenstädte, partizipiere aber nicht ausreichend an den Möglichkeiten. Das Ende vieler Handelsbetriebe - das Institut für Handelsforschung (IFH) hatte das Aus für bis zu 50.000 Einzelhändler bis 2020 vorausgesagt - werde sich dadurch beschleunigen. Dies zeigten die Umsätze von Online-Shops, die rund um die Uhr geöffnet haben. Fanderl betonte, das Einkaufen am Sonntag sei für viele Menschen ein Teil der Freizeitgestaltung geworden. Der grundgesetzliche Sonntagsschutz müsse vor diesem Hintergrund neu definiert werden. Verdi betont dagegen, die Gewerkschaft klage dann gegen Sonntagsöffnungen, wenn diese rechtswidrig seien oder einer juristischen Klärung bedürften.

Verschiedene namhafte Warenhäuser wie die Traditionsunternehmen Karstadt und Kaufhof, aber auch die Luxus-Kaufhäuser der KaDeWe-Group tun sich zusammen, um für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen: Sie treten für eine Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen ein. Dies sei "eine Mär", sagte er. Nach Studien arbeiten etwa elf Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig oder gelegentlich an Sonntagen, etwa in Restaurants und Kneipen, bei der Feuerwehr oder in Stahlwerken.

Related:

Comments

Latest news

Bundesliga: BVB trennt sich von Trainer Tuchel
Wunschkandidaten sind offenbar Hoffenheims Julian Nagelsmann und Lucien Favre. Nuri ist ein toller Fußballer, ein toller Mensch.

Penguins eiskalt: Kühnhackl-Team führt im Stanley-Cup-Finale
Er bereitete im Powerplay der Gäste den Anschlusstreffer von Colton Sissons (51.) zum 2:3 aus Sicht von Nashville vor. Subban wurde wegen einer Abseitsstellung aberkannt, nachdem Pittsburgh den Videobeweis verlangt hatte.

"Harry Potter"-Fanfilm: Der erste Teaser begeistert alle"
Wie konnte aus dem talentierten Tom Riddle der gefürchtete Lord Voldemort werden? Bald soll wieder im Kino gezaubert werden. Entertainment, Rechteinhaber der Harry-Potter-Reihe, zu hören bekommen - und die Produktion vorerst gestoppt.

Theresa May zu Brexit: Keine Einigung "um jeden Preis"
May erklärte, Großbritannien werde keinen Deal mit der EU schließen, wenn es mit den Bedingungen Brüssels nicht einverstanden sei. Premierministerin May meinte mit Blick auf das Attentat, es sei wichtig, die Kontrolle über die Einwanderung zurückzugewinnen.

Merkel: Europa muss Schicksal in eigene Hand nehmen [0:42]
Nur in letzter Minute konnte auf ihrem zweitägigen Gipfel in Taormina auf Sizilien ein Fiasko abgewendet werden. Trump hat die Gruppe der sieben großen Industrienationen mit seinem Konfrontationskurs in eine Krise gestürzt.

Other news