Ehrenmord-Prozess in Istanbul: Freispruch für Brüder von Hatun Sürücü

Entscheidung im Prozess zum Mord an Hatun Sürücü erwartet

Hatun Sürücü, die als Teenager von ihren Eltern in der Türkei zwangsverheiratet wurde, war wegen ihrer westlichen Lebensweise an einer Bushaltestelle in Berlin mit drei Kopfschüssen getötet worden. Ihrer Überzeugung nach sollen die größeren Geschwister ihren kleinen Bruder zu dem Mord angestiftet haben. Der andere Bruder, Alpaslan, war erst gar nicht zu dem Gerichtstermin erschienen.

Istanbul (dpa) - Mehr als ein Jahr nach Prozessbeginn wird im Verfahren gegen zwei Brüder der ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü heute in Istanbul ein Urteil erwartet. Der ältere der beiden Angeklagten wurde zudem wegen Mangel an Beweisen vom Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes freigesprochen.

Das Gericht für schwere Straftaten in Istanbul erklärte, man könne den Angeklagten Mutlu (38) und Alpaslan S. (36) den Vorwurf der Beihilfe zur vorsätzlichen Tötung an ihrer Schwester nicht nachweisen. Bis heute vermutet die Staatsanwaltschaft, dass die Brüder unter familiärer Umgebung den Mord planten, um die Schwester für ihr freizügiges Leben zu bestrafen. Nach Jugendstrafrecht wurde der 18-Jährige wegen Mordes verurteilt - neun Jahre und drei Monate Haft. Nach Verbüßung der Strafe wurde der Täter in die Türkei abgeschoben.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Abschlussplädoyer klargemacht, dass sie dennoch davon ausgehe, dass die Brüder die Tat gemeinsam beschlossen hatten. Im Grunde sei Hatun Sürücü im Auftrag der Familie ermordet worden - weil sie, wie Ayhan damals aussagte, einem "westlichen" Lebensstil folgte. Als der Bundesgerichtshof 2007 diese Freisprüche aufhob, waren sie bereits in die Türkei ausgereist.

Ein junger Mann erschießt 2005 seine Schwester in Berlin - ein "Ehrenmord".

Die damals wegen Mittäterschaft ebenfalls angeklagten Brüder wurden zunächst vom Berliner Landgericht aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Die Deutsch-Türkin Hatun Sürücü war 2005 von einem ihrer Brüder in Berlin erschossen worden.

Die damalige Hauptbelastungszeugin der Anklage lebt inzwischen im Zeugenschutzprogramm, mit ihrer erneuten Aussage hatten Prozessbeobachter auch zuvor nicht gerechnet. Die Frau konnte im Istanbuler Verfahren nicht noch einmal gehört werden, weil es den Behörden nicht gelang, ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. In Istanbul zog er in das Haus seiner Brüder im Bezirk Ümraniye auf der asiatischen Stadtseite und betrieb dort mit ihnen einen Köfte-Imbiss. Im Prozess gegen seine beiden älteren Brüder in Istanbul hatte er ausgesagt, die Tat allein begangen zu haben.

Sommer 2013: Berlin übersendet zahlreiche Akten zu dem Fall an die türkischen Behörden, die inzwischen ein eigenes Strafverfahren gegen die älteren Brüder eingeleitet haben. Weitere Links zum Thema Nach Angaben von Frauenrechtlerin Süren bezieht sich der Staatsanwalt auf eine Besonderheit im türkischen Strafgesetz, dem "Brauch" als Beweggrund.

Im Januar 2016 begann der Prozess in Istanbul. Vielmehr habe er die Fassung verloren, sagt er in seiner Vernehmung. Sogenannte "Ehrenmorde" verlaufen häufig so, dass ein "Ältestenrat" der Familie oder der Vater die Entscheidung trifft und dann der jüngste Sohn mit der Tat beauftragt wird - weil dessen junges Alter meist strafmildernd wirkt.

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