Frank Castorf inszeniert künftig am Berliner Ensemble

Oliver Reese

Die "Einladung ins Schlammbad" hat er ausgeschlagen. Nachfolger Oliver Reese stellte nun sein Konzept vor. Das kündigte der neue Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese (53), am Dienstag an.

Reese setzt auf starke zeitgenössische Stücke und ein starkes Ensemble. Ein echter Coup: Reese ist es gelungen, den unfreiwillig scheidenden Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf zu engagieren. Dabei kann der Regisseur seiner Passion für Literaturadaptionen treu bleiben: "Er nimmt sich eines Romanstoffes an, der es verrückterweise nur auf die Musicalbühne, aber nie auf die Theaterbühne geschafft hat", avisierte Resse: Victor Hugos "Les Misérables". Castorf werde in den nächsten fünf Jahren in Berlin ausschließlich am Berliner Ensemble (BE) Theater zeigen, sagt Reese im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Reeses Plan für die einstige Brecht-Bühne: "Wir schätzen Stücke, in denen die guten alten Tugenden des Theaters eine zentrale Rolle spielen: Drama, Figuren, Dialog, eine Geschichte und ein starkes Thema". Dort arbeitete er unter anderem mit Robert Wilson, Michael Thalheimer und Jürgen Gosch zusammen.

Weitere Produktionen zum Saisonauftakt sind Albert Camus' "Caligula" in der Lesart von Antú Romero Nunes, der zuletzt Hausregisseur am Hamburger Thalia-Theater war, sowie Mateja Kolezniks Inszenierung des Liebesdramas "Nichts von mir", das von dem norwegischen Gegenwartsdramatiker Arne Lygre stammt. Zum neuen Ensemble gehören 28 festangestellte Schauspieler - darunter sind Stars wie Corinna Kirchhoff, Constanze Becker, Judith Engel, Patrick Güldenberg, Veit Schubert und Stefanie Reinsperger. "Ich finde es sehr gefährlich, die Struktur des Ensemble- und Repertoiretheaters aufzulösen", so Reese mit Blick auf die Berliner Volksbühne und ihren neuen Intendanten Chris Dercon. Soll heißen: "Keine täglich wechselnden Vorstellungen, nicht die Lebendigkeit eines großen, breiten Angebots".

Konsequent will das neue Berliner Ensemble Autoren fördern. Danach wurde Reese Chefdramaturg und Stellvertretender Intendant unter Bernd Wilms am Deutschen Theater Berlin.

Die Autoren seien ausgegrenzt worden. Diesen Aspekt hat der Autorenfreund Peymann ja ein bisschen vernachlässigt, wenn es nicht um seinen Jugendfreund Peter Handke ging. Moritz Rinke ist Chef des neuen BE-Autorenprogramms. Und Moritz Rinke berichtet vom jüngsten Theatertreffen, auf dem das Wort "Autor" gar nicht mehr vorgekommen sei. "Es ist wichtig, dass wir neue Stücke auch im Großen Haus spielen". Am 23. hat dann Thalheimer seine erste Premiere am BE: Er inszeniert "Der kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht, der das BE einst gegründet hatte. Zeitgenössische Stücke von Ersan Mondtag, Tracy Letts, Alexander Eisenach, Duncan Macmillan und Rainald Götz folgen.

Reese selbst zeigt als Uraufführung "Panikherz" (Premiere Februar 2018) von Benjamin von Stuckrad-Barre.

Den größten Erfolg jener Epoche, "Arturo Ui" mit Martin Wuttke, 1995 inszeniert vom todkranken Heiner Müller, wird man auch weiterhin zu sehen bekommen.

Der vom Schauspiel Frankfurt kommende Reese löst am Berliner Ensemble den Theaterpatriarchen Claus Peymann (79) ab, der die Bühne nach 18 Jahren verlässt. Denn auch in der Volksbühne verbirgt sich doch bis jetzt unter allem Klimbim ein Theater ganz traditionellen Typs. Und die Homepage des BE, die unter Peymann immer so aussah, als hätte man eine originale Gutenberg-Druckplatte von 1452 versehentlich ins Netz gestellt, soll auch auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht werden.

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