"Guten Tag" Obama begrüßt Berliner auf Deutsch

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So ein Auftritt ist vier Monate vor der Bundestagswahl für Angela Merkel unbezahlbar. Der Kirchentag ist ein politischer Ort, das wird hier deutlich. Deshalb wird er auch nicht erwähnt. Evangelischen Kirchentages. Gemeint ist natürlich Gott, aber auch die Berliner Polizei schaute bei der Großveranstaltung am Brandenburger Tor ganz genau hin. Dabei hatte Obama kokett gelächelt. Zum Feiern war der Kanzlerin aber bestenfalls noch am Morgen am Brandenburger Tor zumute. Mit einem "First of all: Guten Tag, good to see all of you!"

Und dann war es da wieder: das charmante Lächeln. Auffallend oft spricht er von seiner Hoffnung in die jungen Menschen, die nächste Generation, die er auch hier beim Kirchentag sehe. Seine Wahlempfehlung spricht er gleich zu Beginn der Veranstaltung aus: Eine seiner Lieblingspartnerinnen in der gesamten Zeit seiner Präsidentschaft sitze jetzt neben ihm, Angela Merkel. Auch wenn die Fragen nicht immer leicht sind. Politik ja, aber bitte keine Parteipolitik, mit dieser Parole war der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm in den Kirchentag gestartet.

Merkel verteidigte die Abschiebungen - auch nach Afghanistan. Man müsse sich auf Hilfe für diejenigen konzentrieren, die wirklich Hilfe nötig hätten. Die Ressourcen seien aber begrenzt. Das US-Drohnenprogramm war ein zentraler Teil der Anti-Terror-Strategie Obamas. "Wie gehen Sie mit den ungewollten Opfern um?", fragt der junge Mann. Sie hatten sich vor dem Brandenburger Tor und auf der Straße des 17. Juni versammelt, lange bevor Obama und Merkel gegen 11 Uhr die Bühne betraten. Er räumt ein, dass es zivile Opfer gab. Und trotzdem gelte: Die Drohnen selbst seien nicht selbst das Problem, "das Problem ist der Krieg, der immer eine Tragödie darstellt". Ein Mix aus Charme und Charisma erwartet sie beim Ex-Präsidenten, Lässigkeit und Selbstironie - also exakt, was Angela Merkel öffentlich vermissen lässt. Dieser Kampf müsse geführt werden. Leider gebe es in Libyen keinen Staat, mit dem man ein solches Abkommen vereinbaren könne. "Aber wir können uns auf den Weg machen". Als Bedford-Strohm ihn auf den gigantischen Militäretat der USA anspricht und dies in Beziehung zum Hunger in der Welt setzt, spricht Obama zunächst über Entwicklungshilfe und darüber, dass man Menschen nicht nur Fische geben dürfe, sondern ihnen beibringen müsse, wie man fischt. An vielen Stellen würden sie nicht mehr das machen, wofür sie da sein, erinnert er an Seelsorge, Glaubensvermittlung und das Karitative. Nie sei die Welt gesünder, wohlhabender und besser ausgebildet gewesen als heute. Die Wirkung dessen kann Merkel im Bundestagswahljahr gut gebrauchen. Ihr wird gelegentlich vorgeworfen, Krisen nur zu verwalten, nicht zu lösen. Es wird ein nachdenkliches, persönliches, politisches, auch selbstkritisches Gespräch. Als es Buh-Rufe gegen die Christdemokratin gibt, weil sie das verschärfte Asylrecht umgesetzt sehen will, springt ihr Obama bei. "Wir können uns nicht hinter einer Mauer verstecken", sagt Obama. In den acht Jahren seiner Amtszeit ist er gealtert, grau geworden. 400.000 Dollar verlangt er für eine Rede, der erste Auftritt ist für den kommenden September gebucht. Er selbst werde sich jetzt erst einmal bemühen, "ein guter Ehemann für Michelle zu sein". Für sie geht es nach Brüssel zum Nato-Treffen mit den Staats- und Regierungschefs und zu einer Begegnung auch mit US-Präsident Donald Trump. Die Sehnsucht nach einer Zeit, in der ein gedankenvoller, stilsicherer Mann im Weißen Haus die Geschäfte führte, zu zeigen, wird sie sich nicht gestatten. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass er höchst seltsame Dinge tut. Seine Diskussion mit Kanzlerin Merkel wird live gestreamt. Da betreten Barack Obama und Angela Merkel die Bühne vor dem Brandenburger Tor - und zigtausende Besucher jubeln.

Mit einer Klarstellung zur Sitzordnung - und zur Machtverteilung - sorgte Merkel dagegen für Lacher. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sein Wahlerfolg alles infrage stellt, für das Obama so eloquent steht. "Das ist nicht immer einfach", sagte er. Merkel meinte: "Die Geschichte besteht aus Rückschlägen".

"Man kann dann darüber streiten - und das machen wir auch".

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