Deutscher Verkehrsminister - Aufgeflogen: Audi hat illegale Abgas-Software

Auch Audi holt der Abgasskandal ein

Audi kritisiert außerdem, dass Berlin in der Sache "vorgeprescht" sei, am Ende aus politischem Kalkül des sonst als autofreundlich geltenden Ministers Dobrindt. Und zwar nicht nur in den USA. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wirft Audi nun in einem technisch anderen Fall vor, in Deutschland eine "unzulässige" Abschalteinrichtung verwendet zu haben. Die Software habe erkannt, wenn das Auto auf einem Prüfstand war - dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet. Der Hersteller teilte mit: "Bei jüngsten Analysen (.) zeigten sich in bestimmten Situationen NOx-Überschreitungen zwischen 20 und 100 Prozent des Grenzwerts". NOx bezeichnet gesundheitsgefährdendes Stickoxid.

"Grund ist, dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird", so Audi weiter. Das Unternehmen entschuldigte sich für die "Unannehmlichkeiten" und betonte, es arbeite eng mit den Behörden zusammen. Audi muss nun 24 000 Oberklasse-Fahrzeuge zurückrufen. 14 000 dieser Autos sind in Deutschland zugelassen, der Rest in anderen europäischen Ländern. Dobrindt will bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge sehen für eine Umrüstung. Selbst VW-Konzernchef Matthias Müller sei "einbestellt" worden, so der Minister - schließlich habe man vereinbart, der Konzern sei verantwortlich für die Auffälligkeiten auch bei seinen Tochtermarken. Der Bund will nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersuchen lassen. VW ist der Auffassung, in Europa gar keine Vorschriften verletzt zu haben - anders als in den USA. Bisher ging es um die in den USA verkauften Diesel mit Schummelsoftware, nun sind auch die Verkäufe in Deutschland und Europa Thema.

Am Mittwoch seien Auffälligkeiten bei Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren bekannt geworden.

Beim ursprünglichen VW-Skandal, der im Herbst 2015 ans Licht kam, waren vor allem Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 betroffen.

"Es handelt sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung", so Dobrindt. Die Abschalteinrichtung nehme wahr, wenn das Fahrzeug im Prüfstand stehe. Wird das Lenkrad nach dem Start nicht bewegt, aktiviere sich ein Schaltprogramm für das Getriebe, dass besonders wenig CO2 produziere. Werde die Lenkung um mehr 15 Grad eingeschlagen, erhöhten sich die Emissionen. "Vollständige Aufklärung und Konsequenzen auch bald zwei Jahre nach dem Bekanntwerden sind bei Dobrindt Fehlanzeige", sagte der Bundestagsabgeordnete. Aber sein Unternehmen tue alles, "dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert".

Die Münchener Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen gegen den Autobauer Audi wegen mutmaßlichen Abgas-Betrugs aus. Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung bei Audi eingeleitet. Mit den Aktionen soll geklärt werden, wer an der Verwendung der Abgas-Software im VW-Konzern und an Falschangaben beteiligt gewesen sei. Bestehend aus Fachleuten des Verkehrsministeriums, des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sowie wissenschaftlicher Begleitung durch den Münchner Professor Georg Wachtmeister bewertete sie zum einen die Auswirkungen des VW-Abgasskandals.

Bei vielen Motoren mit auffälligen Abgaswerten argumentieren die Autohersteller mit dem sogenannten Bauteilschutz: Sie verweisen auf den angeblichen Schutz des Motors, wenn die Abgasreinigung etwa bei bestimmten Temperaturen heruntergedrosselt wird.

Im Abgasskandal geht es um weltweit rund 11 Millionen betroffene Fahrzeuge der VW-Gruppe. Dies hat den VW-Konzern Milliarden etwa für Entschädigungen an Kunden gekostet - auch wegen Motoren von Audi.

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