ROUNDUP/Merkel: Ausstieg der USA hält Klimaschutz nicht auf

Verkehr in Peking Die Massenmotorisierung schnürt Chinas Metropolen die Luft

Trumps erste Aufgabe als US-Präsident sei es, seine Leute zu schützen. "Wir brauchen dieses Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren, nichts kann und wird uns dabei aufhalten", sagte sie in Berlin. "Es wird geschätzt, dass es (das Klimaabkommen; Anm. der Red.) nur zwei Zehntel von einem Grad Celsius der globalen Temperatur bis zum Jahr 2100 reduziert", sagte Trump am Donnerstag bei der Pressekonferenz.

Bonn. Der US-Präsident unterschätzt die wirtschaftlich getriebene Energiewende in den USA und überschätzt seine Entscheidung für die Wiederbelebung von Kohlejobs. Oder wie es der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, ausdrückt: "Aufgrund des verloren gegangenen Vertrauens geht nun das amerikanische Jahrhundert endgültig zu Ende". Das Pariser Abkommen gehe einseitig zu Lasten seines Landes und koste dort Jobs.

Zitat: Geht es um die US-Wirtschaft darf auch Trumps Lieblings-Feind China nicht fehlen: Das Abkommen sei eine Farce, weil es die USA als weltgrößten Umweltschützer bestrafe und den schlimmsten Umweltverschmutzern der Erde keine sinnvollen Verpflichtungen auferlege. Man weiß es nicht. Selbst einer der wenigen Unterstützer Trumps in der EU, der ungarische Premier Viktor Orban, gab sich vollkommen entsetzt über die Entscheidung: "Ich stehe unter Schock", sagte er im staatlichen Rundfunk. "Wenn das klappt, ist das gut, wenn nicht, auch". Amerikanische Arbeiter und Familien würden davon benachteiligt, schrieb Clinton auf Twitter.

Mit den vertrackten Feinheiten des Ausstiegs hält er sich nicht lange auf. Er hatte immer wieder beteuert, Arbeitsplätze in der Kohleindustrie erhalten und neue Stellen schaffen zu wollen.

US-Präsident Donald Trump: "Ich wurde gewählt, um Pittsburgh zu vertreten, nicht Paris". Ein klimafreundlicher Nachfolger Trumps könnte dann den Ausstieg vom Ausstieg anordnen, die Folgen der vier Jahre Stagnation wären dann relativ klein. Aber: die Zahlungen in den "Grünen Klima-Fonds", mit denen Paris Entwicklungsländer bis 2025 jährlich mit 100 Milliarden Dollar unter die Arme greifen soll, werden mit sofortiger Wirkung annulliert. Nur von "innen" könne man Veränderungen befördern. Zudem betonte er: "Die anderen Länder müssen klar machen, dass sie so etwas nicht gut heißen".

"Dieser Tag wird als Datum in die Geschichte eingehen, an dem die USA als Führer der Freien Welt abgedankt haben", sagte der unter anderem für CNN tätige Politologe und Autor Fareed Zakaria. An Trump gerichtet meinte 69-Jährige: "Bitte, Mister Präsident: Wählen Sie die Zukunft" und zeigte Bilder von Solardächern. Und Künstler. Hollywood-Star Leonardo DiCaprio rief Trump noch am Donnerstagmittag zum Einlenken auf. Beide Seiten demonstrierten damit Solidarität mit künftigen Generationen.

Wie der Gouverneur des Bundesstaates Washington, Jay Inslee, sagt, wollen sich die Teilnehmer auf die Einhaltung der Pariser Ziele zur Eindämmung der Erderwärmung verpflichten und aus eigenen Mitteln Geld in den von Trump de facto aufgekündigten Klima-Fonds einzahlen. Wahlweise als "Erfindung der Chinesen", die danach trachteten, Amerikas Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören. Das Dokument trat 2005 ohne Amerika in Kraft. Die letzten 20 Jahre in der Klimapolitik hätten gezeigt: Der Weg sei steinig, aber unumkehrbar.

Auch Apple-Chef Tim Cook protestierte scharf gegen die Trump-Entscheidung. Trump hatte sich fast eine halbe Stunde genommen, um den Pakt von Paris als "Komplott" fremder Mächte zur Unterjochung der Vereinigten Staaten zu verteufeln.

Für den EU-China-Gipfel war eine neunseitige Erklärung zum Klimaschutz vorbereitet worden, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

UNO-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Trumps Ankündigung als "grosse Enttäuschung". Auch ohne Barack Obamas "Clean Power Plan", der den Kohlendioxid-Ausstoß von Kraftwerken begrenzen soll und von Gerichten noch blockiert wird, sank die Treibhausgasemission der USA zuletzt um 2,6 Prozent.

Kohle-Verladehafen in Powhatan: In Ohio hofft die Kohleindustrie auf Donald Trump. Der GCF soll unter anderem in Entwicklungsländern Projekte zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen und zum Schutz gegen Naturkatastrophen finanzieren.

Für den internationalen Klimaschutz ist das gravierend. Noch deutlicher wird der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders.

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