"Rock am Ring" geht nach Terroralarm weiter

Während des Auftritts der US-amerikanischen Metal Band

Nürburg. Die zuständige Polizei in Koblenz teilte am Abend mit: "Hintergrund sind konkrete Hinweise, aufgrund derer eine mögliche terroristische Gefährdung nicht auszuschließen ist". "Nach intensiven Durchsuchungen des gesamten Festivalgeländes haben sich die Verdachtsmomente für eine akute Gefährdungslage nicht erhärtet", heißt es. Kurz vor einer für 11 Uhr angesetzten Pressekonferenz gaben Polizei und Veranstalter schließlich bekannt, dass das Festival fortgesetzt werde. Zu diesem Zeitpunkt war unklar, ob und wann die Veranstaltung weitergehen kann.

Am Freitagabend war das Festival wenige Stunden nach Beginn wegen möglicher Terrorgefahr zunächst ausgesetzt worden. Zehntausende Besucher verließen daraufhin innerhalb kurzer Zeit geordnet und ruhig das Festivalgelände. Die ausgelassene Stimmung, die nach den Auftritten der Bands In Flames, Five Finger Death Punch und den Broilers geherrscht hatte, hielt sich auch während der Evakuierung: Immer wieder stimmten die Festivalbesucher Sprechchöre an oder sangen gemeinsam - unter anderem ein Lied der Band Geier Sturzflug: "Eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben". Ein anderer Nutzer twitterte: "Wünsche allen Festivalteilnehmern jetzt endlich mal unwetter- und terrorfreien Musikgenuss". Veranstalter Marek Lieberberg ist erleichtert über die Fortsetzung: "Wir können damit auch ein Zeichen setzen für unsere Kultur und unsere Zivilisation". "Genaue Hintergründe können wir derzeit noch nicht nennen".

Nach einem Bericht der ‹Bild›-Zeitung verhörte die Polizei am späten Abend zwei Mitarbeiter eines Subunternehmens. Demnach habe es die Befürchtung gegeben, dass die beiden etwas auf dem Gelände hinterlegt haben. "So bitter es ist, die Sicherheit der Besucher muss an erster Stelle stehen", erklärte er.

Anthrax: "Spreading The Disease" (1985) Anthrax, wichtige Wegbereiter für Thrash- und Speedmetal, schafften mit ihrem zweiten Werk den großen Wurf: Der neue Sänger Joey Belladonna addierte Melodie zu scharf geschnittenen Mosh-Pit-Riffs, die mehr als bei den meisten Kollegen ihre Wurzeln im US-Hardcore haben (remember S.O.D.?). "Die Leute sind gut drauf", sagte ein Polizeisprecher am Nürburgring. Alle knapp 90.000 Ticket sind verkauft. Beim parallel in Nürnberg stattfindenden Zwillingsfestival "Rock im Park" gingen die Konzerte am Freitagabend weiter. Sie werden laut Polizei der hessischen Salafistenszene zugerechnet. Lieberberg sprach von dem Verdacht, dass Personal, das zum Aufstellen von Zäunen eingesetzt war, Verbindungen in die islamistische Szene habe. Sie wurden vorläufig festgenommen, sind seit Samstagmorgen wieder auf freiem Fuß. Zu einer Gruppe von drei Verdächtigen gehörte mindestens einer, der über eine der eingesetzten Firmen Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen hatte. Dieses Jahr zog das Rock am Ring deshalb wieder zurück an seinen Ursprungsort, den Nürburgring. "Das Signal, das Deutschland heute sendet, ist katastrophal", sagte Lieberberg. "Wir danken Euch für Euer unglaublich diszipliniertes Verhalten und die vorbildliche Kooperation".

Auf Twitter teilte die Polizei Koblenz am Sonnabend mit: "Wir freuen uns mit euch". In Richtung der Polizei sagte er am Freitagabend: "Ich hoffe, dass Sie mit uns und unseren Fans ebenso umgehen wie bei Fußballspielen, wo am nächsten Tag wieder gespielt wird".

Related:

Comments

Latest news

Wirtschaft | ROUNDUP: Sieben Tote bei Terror in London - May: 'Jetzt reicht's'
Unter den rund 50 Verletzten sind auch zwei Deutsche, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Dresden sagte. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer "gezielten und feigen Attacke" auf unschuldige Londoner und Besucher.

Falschen Polizisten in Langen festgenommen
Wer hat vom falschen Polizisten ein Knöllchen bekommen? Zudem waren an dem Audi auch im Kühlergrill Blaulichter eingebaut. In der Wohnung des 49-Jährigen fanden sie neben Polizeiausrüstungsgegenständen auch eine Schreckschusswaffe und Munition.

Polizei von Manchester entlässt weiteren Verdächtigen
Rudd sagte am Sonntag gegenüber der BBC , Mitglieder des Netzwerkes von Abedi seien "möglicherweise" noch flüchtig. Die Polizei in Großbritannien nimmt einen Verdächtigen im Süden fest und durchsucht zwei weitere Häuser im Norden.

Katar: Diplomatische Offensive gegen Katar
In einer offenkundig konzertierten Aktion brachen Katars Nachbarländer alle diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Das Königreich begründete seinen Schritt mit Katars Unterstützung von bewaffneten Terroristen in Bahrein.

Panik-Szenen beim Public Viewing in Turin
Bürgermeister Renato Saccone sagte Sonntag früh, dass Menschen immer noch nach Verwandten oder Bekannten suchten. Ein Reporter der AFP berichtete, dass das Chaos ausbrach, nachdem mehrere Feuerwerkskörper gezündet wurden.

Other news