EZB-Präsident Draghi: Lockere Geldpolitik weiter nötig

EZB wagt voraussichtlich Mini Schritt Richtung Kurswende

Der EZB-Rat kommt am 8. Juni in Tallin das nächsten Mal zu geldpolitischen Beratungen zusammen. EZB-Chef Draghi äußert sich ebenfalls positiv, lässt aber nicht durchblicken, ob die expansive Geldpolitik damit vor dem Rückbau steht. "Wir bleiben fest davon überzeugt, dass ein aussergewöhnliches Mass an geldpolitischer Unterstützung, einschliesslich unserer "Forward Guidance", immer noch nötig ist", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag in Brüssel vor Vertretern des Europaparlaments. Gleichzeitig griffen Investoren wieder zu Staatsanleihen.

"Draghi hat nicht Neues gesagt, aber die Wahrnehmung hat sich geändert", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Mit der "Forward Guidance" ist eine geldpolitische Steuerung über Ankündigungen zur künftigen Geldpolitik gemeint. "Die EZB sieht sich aber nicht unter konkretem Handlungsdruck", sagte Umlauf.

In der Eurozone geht es zuletzt kräftig aufwärts mit der Wirtschaft. Zudem kauft die Euro-Notenbank noch mindestens bis Jahresende Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro je Monat.

Draghi ist vor allem die Inflation immer noch zu niedrig. Der Kostendruck, insbesondere von den Löhnen, sei nicht ausreichend, um eine dauerhafte und selbsttragende Entwicklung hin zum mittelfristigen EZB-Ziel zu unterstützen.

Die Notenbank strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Die EZB-Direktorin wies darauf hin, dass die Inflation im Euroraum zwar im April bei 1,9 Prozent gelegen habe, im Mai aber wieder auf 1,4 Prozent gesunken sei. Viele Volkswirte - insbesondere in Deutschland - fordern deshalb, dass die EZB langsam von ihrer Politik der weit offenen Geldschleusen abrückt. Nach seiner Einschätzung würden die Inflationsraten selbst dann höher liegen als in den Vorjahren, wenn die Euro-Notenbank das Ausmaß ihrer Konjunkturhilfe verringert.

Manche Experten halten es für möglich, dass die EZB im Juni vorsichtig die Weichen in Richtung einer späteren Eindämmung der Geldschwemme stellt und etwa Hinweise auf eine nötigenfalls noch expansivere Geldpolitik aus ihrem Ausblick streicht. Zudem verspricht die EZB für den Notfall eine Erhöhung des Volumens und/oder eine Verlängerung der Laufzeit für den Fall, dass sich Inflationsausblick oder Finanzierungsbedingungen verschlechtern sollten.

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