Golfregion - USA und Türkei wollen in Katar-Krise schlichten

Die Skyline von Katars Hauptstadt Doha

Mehrere arabische Staaten haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, ihre Grenzen zum Nachbarland geschlossen - und das winzige, aber an Erdgas reiche Emirat damit vom Festland der Arabischen Halbinsel abgeschnitten.

Bemerkenswert ist das Timing der Auseinandersetzung: Der Konflikt brach aus, kurz nachdem US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien mit großem Pomp empfangen worden war - und den Saudis Waffenverkäufe in Höhe von 110 Milliarden Dollar zusicherte. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain brachen gestern die diplomatischen Kontakte zu Katar ab, auch Ägypten schloss sich dem Schritt an. Katar bestreitet dies - ebenso wie Saudi-Arabien seit Jahren Vorwürfe zurückweist, es unterstütze islamistische Strömungen in aller Welt. Inoffizieller Vorwurf: Der Emir von Katar kooperiere auch mit dem Iran - dem Hauptgegner Saudi-Arabiens. Europäische Diplomaten sprechen von"Paranoia" und "Iran-Phobie", wenn sie Riads Haltung zum Rivalen beschreiben". So hatte Katar die Aufstände des "Arabischen Frühlings" nach 2011 über den Sender Al Jazeera unterstützt.

Das Verhältnis zwischen Katar und seinen Nachbarn ist seit langem angespannt. Er telefonierte am Montagabend mit seinem katarischen Kollegen Tamim bin Hamad Al Thani und forderte diesen nach Angaben der Agentur Kuna auf, den Bemühungen um Entspannung "zwischen Brüdern" eine Chance zu geben. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen werde die Krise im Nahen Osten nicht lösen. Mit Misstrauen beäugen Riad und Abu Dhabi seit Jahren die eigenständige Aussenpolitik Katars, das bei einer Bevölkerung von 1,9 Millionen nur 300'000 Bürger hat und seinen Einfluss auf Reichtum aus der Gasförderung gründete.

Praktisch sämtliche arabischen Fluggesellschaften am Golf kündigten an, Katars Hauptstadt Doha von Dienstag früh an nicht mehr anzufliegen. Denn die Saudis und ihre Vasallen im Golfkooperationsrat haben den US-Präsidenten so verstanden, dass nun endlich die arabisch-amerikanische Front gegen den Iran steht und offene Rechnungen mit Dissidenten in den eigenen Reihen beglichen werden dürfen. Es habe "terroristische und sektiererische Gruppen "gefördert mit dem Ziel, "die Region zu destabilisieren".

Das Gipfeltreffen mit Trump in Saudiarabien hatten der dortige König Salman und dessen einflussreicher Sohn, Prinz Mohammed, als Schulterschluss gegen Iran inszeniert - Trump machte bereitwillig mit. In Katar unterhielt die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas ihr Hauptquartier, bis ihre Anführer zur Ausreise aufgefordert wurden.

Katar ist ebenfalls Teil dieser Koalition.

Den Anfang hatte Bahrain gemacht, dem das Emirat Katar noch 2011 militärisch zu Hilfe gekommen war, als ein großer Aufstand das bahrainische Königshaus bedrohte. "Wir führen weiterhin Missionen zur Unterstützung der Operationen in der gesamten Region aus", erklärte ein Sprecher des US-Zentralkommandos (Centcom) in Tampa am Montag. Dort sind etwa 10.000 Soldaten stationiert.

Noch immer aber sollen private Financiers aus Katar Geld an die radikalsten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad geben. "Sie gefährdet nur die gemeinsamen regionalen Interessen". Katars Staatsfonds hält etwa Anteile am Volkswagen-Konzern (17 Prozent) und der Deutschen Bank (sechs Prozent). Die Militärbasis Al-Udeid in Katar ist der grösste Standort für die US-Luftwaffe in der Region und für die USA von zentraler Bedeutung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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