Hälfte der Kinder in Deutschland kann nicht schwimmen

Sie lernen es gerade Zweitklässler mit Schwimmhilfen im Kombibad in Berlin

Tausende Lebensretter sind an dem Badeseen, in Schwimmbädern und an Küsten im Einsatz. Mit dieser Auffassung steht die DLRG nicht alleine da. Strömungen können Schwimmer erfassen und weit abtreiben oder sogar unter Wasser ziehen.

Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzen der Umfrage zufolge ein Jugendschwimmabzeichen.

Als sicherer Schwimmer gilt, wer die Bedingungen für das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, auch bekannt als Freischwimmer, erfüllt. "Alle Experten, Sportwissenschaftler und unsere Ausbilder sind sich einig, dass die Prüfungsanforderungen des Seepferdchens dafür zu gering sind". Das Seepferdchen ist kein Schwimmabzeichen, hier handelt es sich lediglich um eine Bescheinigung dafür, dass sich das Kind auf einer Stecke von 25 Metern über Wasser halten kann. Nach einer am Dienstag von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hannover veröffentlichten Forsa-Umfrage sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Viele Zuwanderer sind Nichtschwimmer, denn Baden gehört in vielen Kulturkreisen nicht zur Freizeitgestaltung. Während bei den heute über 60-Jährigen noch 56 Prozent in der Grundschulzeit das Schwimmen erlernten, seien dies bei den 14- bis 29-jährigen Befragten nur noch 36 Prozent. Mittlerweile habe etwa jede vierte Grundschule keinen Zugang zu einem Bad. "Das ist so nicht hinnehmbar", beklagt Haag die Situation. Denn nur wenige Menschen sind sichere Schwimmer. Nur 27 Prozent der Eltern sagten "in der Schule". Die DLRG fordert die Grundschulen auf, ihrem gesetzlich vorgeschriebenen Auftrag, nämlich Schwimmunterricht zu erteilen, nachzukommen. "Wenn diese Entwicklung so weitergeht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer wird", so der DLRG-Vizepräsident.

Ihre eigene Schwimmfähigkeit bewerten 14 Prozent in der Umfrage als sehr gut und 33 Prozent als gut. Knapp mehr als die Hälfte sind der DLRG zufolge damit unsicher im Wasser oder kaum in der Lage, sich selbst zu retten, wodurch das Ertrinkungsrisiko steige. In der Altersklasse 45 bis 59 sind es nur noch 47 Prozent.

Hannover. Demnach gaben drei Prozent der Befragten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen an, nicht schwimmen zu können. Bundesweit zählten die Lebensretter im vergangenen Jahr 537 Badetote (49 mehr als im Vorjahr), davon waren 64 Flüchtlinge. Die Dunkelziffer dürfte höher sein.

Unter den Leistungen der DLRG waren im Jahr 2016 auch Rettungen von 163 Tieren und Hilfestellungen bei Umweltgefahren in 474 Fällen. Vizepräsident Haag bezeichnete es als bemerkenswert, dass trotz des Bädersterbens davon mehr als 74.000 Rettungsschwimmprüfungen erfolgreich abgelegt wurden.

Die Mitglieder der DLRG haben im vergangenen Jahr über 9,1 Millionen Stunden ehrenamtlich für die Allgemeinheit geleistet.

Related:

Comments

Latest news

Ausländer | Ermittlungen wegen Scheinvaterschaften für Bleiberecht
Durch eine gerade verabschiedete Gesetzesänderung werde der Missbrauch erschwert, so Schröder zum rbb . Die Dunkelziffer ist ihm zufolge erheblich, doch es gebe viele Hinweise von den Ausländerbehörden.

USA wollen diplomatische Spannungen in Golfregion entschärfen
Schon zuvor hatten mehrere Fluglinien aus Golfstaaten erklärt, sie stellten von Dienstag an ihre Verbindungen mit dem Emirat ein. Der Streit am Persischen Golf hat nach Darstellung der USA keine Auswirkungen auf die Militäreinsätze im Nahen Osten und Asien.

Fußball: Pepe verkündete Abschied von Real Madrid - Kritik an Zidane
Real habe ihm einen neuen Einjahresvertrag geboten, er habe einen Zweijahresvertrag gewollt, erklärte Pepe . Spanische Pressemeldungen, wonach er zu Paris Saint-Germain wechselt, wollte Pepe zunächst nicht bestätigen.

Nach Incirlik: Mit der Türkei droht weiterer Streit
Obwohl eine formale Entscheidung der deutschen Regierung über den Abzug noch aussteht, gilt sie mittlerweile als ausgemacht. Er verwies dazu unter anderem auf die in der Türkei inhaftierten deutschen Journalisten.

Ermittlungen wegen Scheinvaterschaften für Bleiberecht
Berlin/ Potsdam - Polizei und Staatsanwälte vermuten ein großangelegtes bundesweites Betrugskartell mit deutschen Scheinvätern. Bundestag und Bundesrat haben jetzt ein Gesetzespaket verabschiedet, das die Scheinvaterschaften unterbinden soll.

Other news