Der Mensch ist wesentlich älter als bisher angenommen

Die Grafik zeigt eine Rekonstruktion der gefundenen Fossilien in Jebel Irhoud

Was der Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und seine Kollegen tags darauf in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Nature" vorlegten, ist tatsächlich eine Sensation: Sie haben bei Ausgrabungen in Marokko Homo-sapiens-Knochen und etliche Steinwerkzeuge entdeckt, die rund 300.000 Jahre alt sind und damit die ältesten bekannten Fossilien unserer Spezies darstellen.

Die 300 000 Jahre alten Knochenfragmente geben Einblick in die Entstehung und Entwicklung des Homo sapiens.

Die Forscher veröffentlichten zu dem Sensationsfund zwei Studien im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature".

Die neuen Erkenntnisse lassen nun auch umstrittene frühere Fossilien in neuem Licht erscheinen: So rechnen die Forscher ein etwa 260 000 Jahre altes Schädelfragment aus Florisbad in Südafrika nun ebenfalls dem Homo sapiens zu.

"Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag", sagte Hublin.

Bislang galten als älteste Spuren des Homo sapiens 195 000 und 160 000 Jahre alte Überreste im Boden Äthiopiens. Lange bevor der moderne Mensch Afrika vor etwa 100 000 Jahren verließ, hat er demnach bereits den ganzen Kontinent besiedelt.

Die Knochen wurden mit Computertomografie (micro-CT) und statistischen Analysen untersucht. Das Gehirn des Homo sapiens habe sich seither wohl graduell weiterentwickelt, sagt Hublin, es habe sich immer besser vernetzt und organisiert. Dagegen ist der Hinterkopf deutlich länger und ähnelt eher älteren Vertretern der Gattung Homo.

"Das bedeutet, dass sich die Form der Gesichtsknochen bereits zu Beginn der Evolution unserer Art entwickelt hat", erklärt Hublins Kollege Philipp Gunz. Dagegen habe sich die Form des Gehirns und womöglich auch seine Funktion erst innerhalb der späteren Entwicklung verändert.

Bei den Grabungen fanden die Forscher auch reichlich Tierknochen, etwa von Gazellen, und Werkzeuge, die bei der Datierung der Funde halfen. Daniel Richter, der Erstautor einer Datierungsstudie in "Nature": "In Jebel Irhoud hatten wir Glück, dass so viele Steinwerkzeuge erhitzt worden waren". Früher am Eva und jetzt in Freiberg tätig, sondierte er dahingehend Feuersteine aus den Fundschichten und datierte sie. Dieses Verfahren bestimmt über den Zerfall natürlicher radioaktiver Elemente den Zeitraum seit dem Erhitzen. Faysal Bibi vom Museum für Naturkunde in Berlin betont, die Studie schließe eine Lücke in der Menschheitsgeschichte. Das angenommene Alter schien jedoch auszuschließen, dass es sich um Vorfahren des Homo sapiens handeln könnte - und zu jener Zeit ging man auch noch nicht davon aus, dass der moderne Mensch aus Afrika stammt. Richter kam auf etwa 300.000 Jahre. Mit diesen Daten und erheblich verfeinerten Methoden überprüfte Rainer Grün von der Nationaluniversität Australiens in Canberra die Altersbestimmung erneut und erhielt ein viel zuverlässigeres, gleichzeitig aber auch sehr verblüffendes Ergebnis: Der Zahn ist um die 300 000 Jahre alt. Eine erste Vermutung schätzte die Lagerstätte auf gerade einmal 40 000 Jahre.

Der Homo sapiens hat seinen Lebensraum bis vor 40 000 Jahren mit anderen Menschenarten geteilt.

- Einen noch größeren Einfluss auf das menschliche Genom könnte der DENISOVA-MENSCH gehabt haben. Er ist nach einer Höhle in Südsibirien benannt.

- Auch der HOMO HEIDELBERGENSIS, den man vor mehr als 100 Jahren bei Heidelberg fand, tummelte sich nach neuesten Erkenntnissen zur gleichen Zeit wie der Homo sapiens auf der Erde. Er lebte etwa vor 700 000 bis vor 200 000 Jahren.

- Gut laufen und klettern konnte der rund 1,50 Meter große HOMO NALEDI. 260'000 Jahre alter Schädelfund aus Südafrika. Denn sie sind nicht nur älter als alle bisher bekannten Fossilien des Homo sapiens, sie wurden auch an einem ungewöhnlichen Ort gefunden: Nicht in Ostafrika oder im Süden des Kontinents, sondern im Westen Nordafrikas – weit von den etablierten Wiegen der Menschheit entfernt.

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