Großbritannien Tories erhalten meiste Stimmen - aber wohl keine absolute Mehrheit

Erreicht sie ihr Ziel einer starken Mehrheit? Britische Regierungschefin Theresa May umringt von Anhängern

Die britische Premierministerin Theresa May erhofft sich eine größere Mehrheit für ihre Konservativen im Unterhaus und mehr Rückendeckung für die am 19. Juni beginnenden Brexit-Verhandlungen. Kommentatoren wiesen am Donnerstagabend aber darauf hin, dass diese Zahlen sehr ungenau sein könnten und eine absolute Mehrheit noch möglich sei. Der Nachwahlbefragung zufolge kommen die regierenden Tories nur noch auf 314 der 650 Sitze. Die Labour-Partei mit ihrem Chef Jeremy Corbyn konnte nach der Prognose zulegen und kommt jetzt auf 252 (PA) bis 267 (BBC) Sitze. Nachts dürfte sich ein belastbarer Trend des Wahlergebnisses abzeichnen, das Endergebnis wird aber erst am Nachmittag vorliegen. "Zusammen können wir den besten Brexit-Deal sichern und ein stärkeres Großbritannien aufbauen". Von 2010 bis 2015 regierte Premierminister David Cameron gemeinsam mit den Liberaldemokraten. Einer BBC-Hochrechnung zufolge gewinnen sie fünf Sitze hinzu und kommen auf 13.

Umfragen vor der Wahl hatten Mays Tories durchgehend vorn gesehen, allerdings war ihr Vorsprung vor Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei in den vergangenen Wochen stark geschrumpft. Die Zweitstimme ist für die Verteilung der Sitze an die im Parlament vertretenen Parteien maßgeblich. Bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren hatte die DUP acht Sitze gewonnen. Außerdem sollte dies die Position der Regierungschefin Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen stärken. "Wenn ich nur sechs Sitze verliere, dann verliere ich diese Wahl und Jeremy Corbyn wird mit Europa am Verhandlungstisch sitzen" - am 20. Mai schrieb die britische Premierministerin das auf Facebook und Twitter. "Ganz klar, wenn sie ein schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren hat und fast keine Regierung bilden kann, dann bezweifle ich, dass sie auf lange Sicht Parteichefin der Konservativen bleiben wird", sagte Osborne dem Sender ITV.

Der rechtspopulistischen Partei Ukip droht der Kollaps bei der Wahl. Als May die Neuwahl ausrief, lagen die Konservativen zeitweise noch mehr als 20 Prozentpunkte vor Labour. Mays Wahlkampf-Strategie und ihr ungelenkes Auftreten in der Öffentlichkeit hatten ihr viel Kritik eingebracht. Nach den Terroranschlägen in London und Manchester war May unter Druck geraten, weil in ihrer Amtszeit als Innenministerin Polizei-Stellen gestrichen worden waren.

Die Arbeiterpartei eroberte mit ihrem besonders bei jungen Wählern beliebten Chef Corbyn nach der Prognose 266 Sitze - das wäre ein deutlicher Zugewinn. Er will die Kluft zwischen Arm und Reich verringern, die Bahn verstaatlichen und das Gesundheitssystem auf Vordermann bringen. Corbyn verspricht im Wahlprogramm 10.000 zusätzliche Polizisten. Die Schottische Nationalpartei (SNP) war mit 56 Sitzen drittstärkste Kraft. Die anderen Parteien spielen bei der Wahl nur eine untergeordnete Rolle. Sturgeon strebt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit an.

Die Konservative will Großbritannien sowohl aus der EU als auch aus dem Europäischen Binnenmarkt führen.

Fast ein Jahr nach dem Brexit-Referendum wählen die Briten am Donnerstag vorzeitig ein neues Parlament.

Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2015 hatten die Tories mit 330 Sitzen die absolute Mehrheit errungen. Labour holte damals 232 Sitze. Schottlands Nationalpartei SNP verliert demnach deutlich. Die Liberaldemokraten, die als einzige landesweite Partei weiterhin für einen Verbleib in der EU kämpfen, hatten acht Sitze.

Großbritannien hat ein reines Mehrheitswahlrecht. Kleine Parteien werden durch dieses Wahlsystem meist benachteiligt. Selbst eine knappe Mehrheit für die Konservativen würde Kontinuität bedeuten und daher vermutlich für gewisse Erleichterung sorgen.

"Das unangenehmste Ergebnis ist eindeutig ein Parlament ohne klare Mehrheiten".

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