Umfrage: Macrons Partei vor klarer absoluter Mehrheit bei Parlamentswahl in Frankreich

Wahllokal in Nizza

Es wäre der perfekte Start für Emmanuel Macron: Am Sonntag stimmen die Franzosen über die Nationalversammlung ab. Für eine absolute Mehrheit reichen 289 Sitze. Er hängte ein Bild von einer der letzten Titelseiten des Magazins "L´Express" an: "Macronmania" stand in knalligen Farben unter dem Bild des selbstbewusst lächelnden Staatschefs, daneben prangten ein Kussmund und ein Smiley. Offenbar kamen Macrons Auftritte auf der internationalen Bühne bei den Franzosen gut an: erst der feste Händedruck bei der Begegnung mit US-Präsident Donald Trump in Brüssel, dann der griffige Slogan "Make our planet great again" nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen.

Ein Erdrutschsieg für Frankreichs neuen Präsidenten Emmanuel Macron und seine Partei "La République en Marche" (LREM) - das ist es, was sich zumindest in den Umfragen vor der ersten Runde der Parlamentswahl am kommenden Sonntag abzeichnet.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom Freitag können die Kandidaten von Macrons Partei LREM und der mit ihr verbündeten Zentrumspartei MoDem bei der ersten Runde der Parlamentswahl am Sonntag mit einem Stimmenanteil von 31 Prozent rechnen, was aufgrund des Mehrheitswahlsystems eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung bedeuten würde.

Es wäre ein historischer Durchbruch: Wahlforscher halten zwischen 350 und 380 der insgesamt 577 Sitze für wahrscheinlich.

Eine derartige Machtbasis würde Macron eine große Freiheit geben, sein Reformprogramm umzusetzen und die von ihm versprochene Erneuerung des politischen Personals voranzutreiben. Denn ein großer Teil der REM-Kandidaten sind Politiknovizen und arbeiteten bisher in anderen Bereichen - auch das ist beispiellos in Frankreich, wo Politikerkarrieren meist früh beginnen und Jahrzehnte andauern.

Vor allem die Sozialisten erwarten nichts weniger als die Apokalypse - und räumen das recht ungeschminkt ein. Er selbst, der seit rund 20 Jahren seinen Wahlbezirk im Nordosten von Paris, einer Bastion der Linken, verteidigt hat, droht diesen zu verlieren - und zwar an den 33-jährigen Mounir Mahjoubi, der für die Präsidentenpartei antritt und als jüngstes Kabinettsmitglied Staatssekretär für digitale Wirtschaft ist. Sollte Mahjoubi scheitern, muss er allerdings die Regierung verlassen.

Die Nationalversammlung ist das zentrale Machtzentrum des französischen Parlaments.

Frankreichs Präsident Macron hat seinen Landsleuten mehr Redlichkeit in der Politik versprochen. Die Front National, die bislang nur zwei Abgeordnete stellte, kann wohl mit neun bis 16 Sitzen rechnen. Parteichefin Marine Le Pen hat allerdings gute Chancen, in ihrer nordfranzösischen Hochburg Hénin-Beaumont ein Mandat zu gewinnen. Für die erste Runde am 11. Juni kommt LREM laut der Umfrage auf 29,5 Prozent der Stimmen, dahinter folgen die konservativen Republikaner von Francois Fillon mit 23 Prozent, der rechtsextreme Front National mit 17 Prozent, die radikale Linke mit 12,5 Prozent und abgeschlagen die Sozialisten von Macrons Vorgänger mit 8,5 Prozent.

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