Britische Tories verlieren absolute Mehrheit

Nick Timothy zieht Konsequenzen aus Wahlschlappe Bild AFP

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will trotz deutlicher Verluste ihrer Tory-Partei bei der Parlamentswahl eine neue Regierung bilden. Generell sehen Ökonomen die Position Londons bei den Gesprächen über den EU-Ausstieg Großbritanniens, die eigentlich am 19. Juni beginnen sollen, geschwächt. Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei hatte sie aufgefordert, ihren Posten zu räumen. Auch Neuwahlen sind aus ihrer Sicht nicht ausgeschlossen. Sie verloren die absolute Mehrheit, blieben insgesamt aber die stärkste Kraft im Unterhaus. "Das ist wirklich genug, um zu gehen und Platz zu machen für eine Regierung, die wirklich alle Menschen dieses Landes repräsentiert". Deshalb wollte sie die Regierungsmehrheit ihrer Konservativen im Unterhaus vergrößern. Dieses Bündnis werde "Gewissheit" bringen und das Land durch die Brexit-Gespräche mit Brüssel führen, wie May bekräftigte. Einige Ökonomen schätzen, dass ein britischer EU-Austritt mit einer strikten Trennung etwa in Handels- oder Arbeitsmarktfragen nun weniger wahrscheinlich wird. Ähnlich sieht es Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Das Positive an dem Wahlausgang ist, dass es kein Mandat für einen harten Brexit gibt, der für die britische und die Wirtschaft der EU sehr nachteilig gewesen wäre". Einzig die Liberaldemokraten wollen den Brexit noch verhindern, dies gilt jedoch als aussichtslos. Das Land brauche jetzt "mehr als alles andere" eine Phase der Stabilität, sagte die angeschlagen wirkende Regierungschefin.

May hatte sich in der Nacht ebenfalls zu Wort gemeldet, als sie ihren Wahlkreis Maidenhead gewann. Wenn ihre Partei die meisten Sitze gewönne, werde sie dafür sorgen, dass es diese Phase gebe.

Die europäischen Börsen reagierten am Freitag zunächst mit leichten Gewinnen auf die Schlappe für die britische Premierministerin.

Heute bat sie Königin Elizabeth II. um die Erlaubnis für eine Regierungsbildung - obwohl die von May geführten Konservativen bei der Wahl weit unter den eigenen Erwartungen geblieben waren. "Und das haben die Bürgerinnen und Bürger im Vereinigten Königreich mit dieser Entscheidung unterstützt". Britische Medien berichteten, die Premierministerin strebe eine konservative Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) an. Damals bildeten die Tories unter David Cameron eine Koalitionsregierung mit den Liberaldemokraten. Auch grundsätzlich unterschiedliche Haltungen der Parteien zum Brexit machen eine Zusammenarbeit schwer.

Als May die Neuwahl überraschend ausgerufen hatte, galt noch ein überragender Sieg mit einem Zugewinn von 100 Sitzen für die Tories als wahrscheinlich. Wegen der Terroranschläge in London und Manchester wurde in den vergangenen Wochen aber auch die innere Sicherheit immer wichtiger. Sie war als frühere Innenministerin für den starken Personalabbau bei der Polizei mitverantwortlich.

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