Air Berlin will mit Steuergeld gerettet werden

Armin Bovensiepen Niki CCO

Die Fluggesellschaft hat nach Informationen der WELT bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt.

Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin sucht Hilfe bei der Politik. In der Praxis hat die Bürgschaft als Kreditsicherheit einen hohen Stellenwert, weil dadurch Garantien geschaffen werden, die den Schuldner in die Pflicht nehmen und den Gläubiger absichern.

Für Air Berlin ist es ein schwerer Schlag: Der geplante Ferienflieger mit Maschinen der Tochter Niki und Tuifly kommt nicht zustande.

Nach dem Scheitern des Ferienflugverbundes werden die Urlaubsflüge der Air Berlin Group nun "als separate Geschäftseinheit unter der Marke Niki weitergeführt", teilte Etihad mit.

Um die wirtschaftliche Misere zu beenden, leitete Großaktionär Etihad, der fast 30 Prozent an Air Berlin hält, eine Korrektur des bisherigen Geschäftsmodells ein.

Im Dezember war vereinbart worden, dass Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki an Etihad verkauft. "Wir werden weiterhin das Air-Berlin-Management in seinen Bestrebungen während der Umstrukturierung des Unternehmens unterstützen". Offen bleibt aber, ob Etihad die 300 Millionen Euro bereits gezahlt hat und was langfristig aus Niki werden soll. Wie es nach der Übernahme mit Niki weitergehen wird, ließ Etihad offen.

"Einen zweiten Wunschpartner sehe ich derzeit nicht", sagte er nach Angaben aus dem Unternehmen auf der Mitarbeiterversammlung. Die Liste der europäischen Billigflieger ist immer noch sehr lang - für Air Berlin möglicherweise zu lang.

Das Land Berlin will den Bürgschaftsantrag prüfen. "Diese Prüfung ist aber kein Präjudiz, dass die Bürgschaft auch tatsächlich gewährt wird". "Air Berlin selber muss allerdings auch seine Hausaufgaben machen, den Flugbetrieb aktuell stabilisieren, um das Vertrauen der Kundinnen und Kunden wieder zurückzugewinnen". Der Bund könne bei Beteiligung eines ostdeutschen Landes und Bürgschaften von mehr als zehn Millionen Euro eine zusätzliche Absicherung übernehmen, erläuterte sie zum Verfahren. "Im Fall von Air Berlin ist eine unternehmerische Perspektive noch nicht sichtbar", bemängelte der FDP-Politiker. Er habe Zweifel, "dass dort schon eine unternehmerische Tragfähigkeit gegeben ist", sagte Lindner. Im Moment wisse niemand, wohin die Reise gehen soll.

Verbraucherschützer fordern nun Verlässlichkeit für Reisende. "Verbraucher dürfen nicht im Unklaren über ihre zum Teil lange im Voraus gebuchten und bezahlten Flüge gelassen werden", verlangte Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

Eine Etihad-Sprecherin erklärte auf Nachfrage, "Etihad hat diese Entscheidung nach vielen Monaten zuversichtlicher Verhandlungen getroffen, da beide Parteien zu keiner Einigung bezüglich der Ausgestaltung eines solchen Joint Ventures gekommen sind".

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