Air Berlin braucht Konzept für die Zukunft

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

Das Unternehmen hofft auf staatliche Hilfe, um einen Absturz zu verhindern. Nun schaltet sich auch die Bundesregierung ein.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner, der als Verhandlungsführer bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in NRW Einfluss auf das Programm der Landesregierung hat, äußerte Vorbehalte gegenüber einer potentiellen Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Prüfung bedeute aber keine Vorwegnahme, ob eine Bürgschaft gewährt werde. Dafür brauche es zunächst ein "tragfähiges Zukunftskonzept". Im Moment wisse niemand, wohin die Reise gehen soll. Klar ist, dass die sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert hat. Im ersten Quartal verlor das Unternehmen täglich drei Millionen Euro, das Minus zwischen Januar und März betrug 782 Millionen Euro. Die Schulden liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Das Unternehmen wird gerade überstürzt umgebaut, dadurch hat es sich selbst in Turbulenzen gebracht, wegen Personalmangels müssen immer wieder Flüge gestrichen werden. Beschäftigte berichten von Chaos in der Personalplanung.

Welche Rolle spielt die Lufthansa? Sie ist einerseits mit 29,2 Prozent Großaktionär bei Air Berlin.

Wenige Stunden zuvor ließ die Air-Berlin-Mutter Etihad die Gespräche über die geplante gemeinsame Ferienflug-Holding von Air Berlin, Niki, TUI und Etihad platzen. Der Rest war einer österreichischen Stiftung zugedacht.

Etihad teilte mit, dass man an einer Lösung für das Gesamtunternehmen arbeite - ohne Details zu nennen. Die Verhandlungen des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad mit dem Tui-Konzern aus Hannover sind gescheitert. Bis diese Transaktion abgeschlossen sei, werde Niki weiterhin als separate Geschäftseinheit der Air-Berlin-Gruppe agieren und sich auf Mittelstreckenziele des Touristikgeschäfts konzentrieren. Sollten weder Etihad noch der Staat bereit stehen, Air Berlins Schulden zu tilgen, wäre eine Insolvenz unausweichlich. Die Airline häuft seit Jahren Verluste an, ist mit 1,2 Milliarden Euro verschuldet und hält sich nur mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft.

Die Lage von Air Berlin hat sich zuletzt drastisch verschlechtert. Air Berlin hatte mitgeteilt, bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt zu haben. Finanzielle Ausfälle würden dann von den Bürgen, also letztlich dem Steuerzahler, übernommen. So könnte man an frisches Geld für eine Sanierung kommen.

Air Berlin müsse nun alle nötigen Unterlagen einreichen, sagte die Ministeriumssprecherin weiter. Der Bund könne bei Beteiligung eines ostdeutschen Landes und Bürgschaften von mehr als zehn Millionen Euro eine zusätzliche Absicherung übernehmen, erläuterte sie zum Verfahren.

Die Lufthansa steht im Prinzip als Retter bereit. Schon jetzt setzen die deutlich billigeren Konkurrenten dem Konzern zu. Deutschlands Branchenführer hat auch Interesse an einer Übernahme gezeigt.

Air Berlin hat 35 Flugzeuge an Niki abgegeben, die seitdem versuchen, die bisher von den Berlinern abgedeckten Touristikstrecken zu bedienen. Drittens müssen kartellrechtliche Fragen geklärt werden - immerhin würden die beiden größten deutschen Airlines zusammengehen.

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