Air-Berlin-Großaktionär Etihad bricht Gespräche mit Tui über Ferienflieger ab

Armin Bovensiepen Niki CCO

Seit Wochen berichten empörte Passagiere in den sozialen Netzwerken über ihre Erfahrungen mit Air Berlin: über Verspätungen, ausfallende Flüge, überarbeitetes Personal und über technische Pannen bei der deutschen Airline. Das Unternehmen hofft auf staatliche Hilfe, um einen Absturz zu verhindern. Nun schaltet sich auch die Bundesregierung ein. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass das Unternehmen bei den Landesregierungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen um die Prüfung einer Bürgschaftsanfrage nachgesucht habe. Die Prüfung bedeute keine Vorwegnahme, ob eine Bürgschaft gewährt werde. Dafür brauche es zunächst ein "tragfähiges Zukunftskonzept". Im Moment wisse niemand, wohin die Reise gehen soll, sagte Verdi-Sekretärin Anja Schlosser.

Die Lage des Unternehmens hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Die Schulden liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Das Unternehmen wird gerade überstürzt umgebaut, dadurch hat es sich selbst in Turbulenzen gebracht, wegen Personalmangels müssen immer wieder Flüge gestrichen werden. Bereits zuvor wurde der Starttermin für den Ferienflieger verschoben. Airlines wie Air Berlin spielen auch unter Standortgesichtspunkten eine Rolle. Neben Air Berlin steht dabei auch die Beteiligung an der Alitalia im Fokus. Der Rest war einer österreichischen Stiftung zugedacht. Die Geduld von Etihad ist nun aber erschöpft.

Im Dezember war vereinbart worden, dass Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki an Etihad verkauft. Bis die Transaktion abgeschlossen sei, bleibe Niki als separate Geschäftseinheit bestehen. Diese potenzielle Millionen-Rückzahlung ist jedoch in der bisherigen Einnahmen- und Ausgabenplanung (Cashflow-Prognose) nicht berücksichtigt, also ein großes Risiko für eine weitere Unternehmensfortführung. Niki muss nach dem Scheitern der Fusion auch die sehr teuren Mietverträge für 14 Tuifly-Jets weiterführen.

Etihad hatte die Fluglinie aus der Hauptstadt in der Vergangenheit mehrfach mit Finanzspritzen in der Luft gehalten, die jeweils dreistellige Millionenbeträge ausmachten. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) teilte mit, Berlin wolle die Anfrage "gemeinsam mit dem Bund" sorgfältig prüfen. "Damit können sowohl die neue Air Berlin als auch das Touristikgeschäft welches von Niki durchgeführt wird mit der richtigen Organisation und entsprechenden Ressourcen betrieben werden, bis die Übernahme von Niki abgeschlossen wurde". Zu gegebener Zeit wollen Etihad und Air Berlin weitere Details zu dem Verkauf mitteilen. "Die Lufthansa steht schon in den Startlöchern". Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat erst vor wenigen Tagen den hiesigen Branchenführer als möglichen Partner ins Gespräch gebracht, zumal die Lufthansa ohnehin schon 38 Maschinen von den Berlinern langfristig gemietet hat. Deutschlands Branchenführer hat auch Interesse an einer Übernahme gezeigt. Dann müssten nämlich - neben den Altschulen und der ungünstigen Kostenstruktur - auch kartellrechliche Fragen geklärt werden. Fallen sie aus dem Markt, könnten Billigflieger wie Ryanair die Strecken übernehmen. Beim Personalabbau müsste mit den Gewerkschaften eine Lösung gesucht werden.

Dies sei nur bei einem geregelten Betriebsübergang gewährleistet, der möglicherweise umgangen werden solle: "Wir wollen verhindern, dass sich unsere Leute bei einer neu gegründeten Gesellschaft neu bewerben müssen". Allerdings nur unter der Bedingungen, dass Grossaktionär Etihad die Schulden übernimmt. Allerdings werden die Araber dafür Gegenleistungen von der Lufthansa verlangen. Beobachter vermuten, dass die Änderungen im Management von Etihad das Projekt ausgebremst haben.

Seit geraumer Zeit kursiert in der Branche die Vermutung, dass eine Insolvenz bewusst herbeigeführt werden könnte, als eine Art Brachialsanierung. Der Eindruck: Mit Air Berlin geht es bergab, wenn nicht bald Hilfe in Form eines neuen Eigentümers kommt.

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